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Archäologie eines Warenhauses – Das Kaufhaus Schocken in Chemnitz

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Großer Andrang vor dem Centrum Warenhaus. (© FREIE PRESSE)

»Ach, Sie meinen „Das Schocken“«! Bis heute hat das geschwungene Gebäude an der Brückenstraße 9-11 – inzwischen Stefan-Heym-Platz 1 –, unter diesem Namen seinen festen Platz im kollektiven Gedächtnis der Chemnitzerinnen und Chemnitzer. Die Tradition des Namens lässt dabei kaum die wechselhafte Geschichte dieses Hauses vermuten, die sich hinter der Fassade abspielte.

Die Geschichte von Erfolg, Niedergang und Neuanfang dieses Wahrzeichens der Moderne begann 1927. In diesem Jahr beauftragten die Inhaber des Schocken Konzerns, Simon und Salman Schocken den Architekten Erich Mendelsohn mit dem Entwurf einer weiteren Filiale ihrer Warenhauskette in Chemnitz. Die Handschrift Mendelsohns, die schnörkellos, klar und geradlinig der Modernität Ausdruck verlieh, war auch für das innovative Verkaufskonzept des Schocken Konzerns ein passendes Gesicht, das bereits in Stuttgart und Nürnberg Erfolg hatte.  Als schließlich am 15. Mai 1930 das Kaufhaus in Chemnitz seine Türen öffnete, war die Schocken-Kette längst  der viertgrößte Warenhauskonzern in Deutschland und mit  700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ein bedeutender Wirtschaftsfaktor für  die Industriemetropole.

Der Einbruch kam, als 1933 die Nationalsozialisten an die Macht kamen und zum Boykott unter anderem gegen die Kaufhauskonzerne, die sich in jüdischem Familienbesitz befanden aufriefen. Salman Schocken, sein Bruder Simon war inzwischen verstorben, musste nach Ausweitung des Drucks von Seiten der Nazis seinen Konzern letztendlich verkaufen und emigrierte 1934 nach Palästina und später in die USA.  Am 9. Dezember 1938 erfolgte die Umbenennung des Unternehmens in „Merkur Kaufstätte Aktiengesellschaft“ unter der das Warenhaus vom 1. Januar 1939 bis zum Kriegsende firmierte.

Im Laufe des Zweiten Weltkrieges wurde das Kaufhaus Schocken zwar beschädigt, konnte aber nach 1945 wieder hergerichtet und rekonstruiert werden. In der DDR wurde das Gebäude dann zusammen mit dem Kaufhaus Tietz als HO-Kaufhaus Centrum genutzt. Nach 1991 übernahm die Kaufhauskette Kaufhof das Haus. Zehn Jahre später wurde es dann geschlossen und verkauft.

Auf den Tag genau, 84 Jahre nach der Eröffnung des Chemnitzer Kaufhauses, beginnt nun ein neues Kapitel in der Geschichte des historischen Baus mit den markanten Fensterbändern. In  dem denkmalgerecht sanierten und umgebauten Gebäude wird auf drei Etagen eine spannende und kurzweilige Dauerausstellung zur Archäologie Sachsens zu sehen sein und vielleicht heißt es in ein paar Jahren »Ach Sie meinen „Das smac“«, wenn man nach dem Weg zum ehemaligen Kaufhaus Schocken fragt! Und einen ebenso großen Andrang vor dem Museum wünschen wir uns auch!

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2 Gedanken zu “Archäologie eines Warenhauses – Das Kaufhaus Schocken in Chemnitz

  1. Andreas Träger schreibt:

    …….es wird immer ein jüdisches postmodernes GrandHOUS sein…..ja ….wie die New Yorker Carnegie Hall …..oder ….. wie das Laffayette London ..ein sinnlich liebliches im Abendlicht…in Jidisch Land of saxony … the true of jewish internationale architecture ….only in chemnitz in europe……..and this is my indentifications…a sign peace of the world…forever..and ever…. Ein Tipp noch : wir könnten ja auch streiffen LED anlegen an den unteren Kannten der Fensterbänder zur betonung des runden Betons…..vielen Lieben Dank für ihre Aufmerksamkeit!!

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