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5 Fragen an Thomas Knerer – Architekturbüro „Knerer + Lang“

5. OG: Treppenhaus

Das seitliche Treppenhaus nach der Sanierung Oktober 2013. (© Roland Halbe)

In loser Folge wollen wir an dieser Stelle Personen zu Wort kommen lassen, die einen Anteil an der Entstehung des smac haben.

Den Anfang macht Thomas Knerer vom Dresdner Architekturbüro „Knerer und Lang“. Zusammen mit dem Stuttgarter Architekturbüro Auer+Weber+Assozierte waren sie in der ARGE Kaufhaus Schocken maßgeblich für die Umbaumaßnahmen verantwortlich.

1.   Herr Knerer, stellen Sie sich bitte kurz vor.

Ich habe nach dem Abitur Maurer gelernt und danach in München und London Architektur studiert. Seit 1993 betreibe ich mit meiner Partnerin Eva Maria Lang das Architekturbüro „Knerer und Lang“ in Dresden. Das Projekt „Umbau Kaufhaus Schocken“ bearbeiten wir in einer Arbeitsgemeinschaft mit dem renommierten Büro Auer und Weber Assoziierte aus Stuttgart.

2.   War es für Sie ein Fluch oder ein Segen das „Schocken“, dieses Architekturjuwel der Klassischen Moderne, zu sanieren und zu einem zeitgemäßen Museum umzubauen?

Ein bisschen von beidem: Grundsätzlich war es natürlich ein Segen, eine so verantwortungsvolle Aufgabe übertragen zu bekommen. Die Arbeit an diesem ganz besonderen Haus war für unsere Architekten-Arbeitsgemeinschaft sehr anspruchsvoll und spannend. Andererseits haben wirklich verflucht viele Institutionen auf die Umplanung des Kaufhauses zum Museum Einfluss genommen, so dass es uns als Architekten schon sehr schwer gemacht wurde, unsere Arbeit zu erledigen. Ein schwacher Trost war uns dabei, dass schon für den großen Architekten Erich Mendelsohn die Zusammenarbeit mit seinem Bauherren wohl nicht immer reibungslos verlief.

3.   Bei der denkmalgerechten Sanierung erfolgten im Gebäudeinneren einige Eingriffe. Können Sie uns schildern welche Umbauten das waren?

Es war konzeptionell abzuwägen, welche Teile des Hauses denkmalgerecht erhalten werden sollten und welche Bestandteile umgebaut werden mussten, um die neue Nutzung als Museum zu ermöglichen. Man kann das z.B. gut an der Gestaltung der Treppenhäuser erkennen: Die beiden strassenseitigen Treppenhäuser wurden im Original belassen und saniert, das mittlere Treppenhaus wurde zu einer großzügigen Museumserschließung umgebaut und völlig neu gestaltet.

Einen ganz erheblichen neuen Eingriff stellt der große Durchbruch in der Gebäudemitte dar, der ausschließlich für die Umsetzung der Ausstellungskonzeption hergestellt werden musste. Letztlich ist jedoch auch die Fassade ein neues Bauteil, das nach dem historischen architektonischen Entwurf neu konstruiert und errichtet wurde.

4.   Was waren dabei für Sie die größten Herausforderungen?

Das Kaufhaus Schocken wurde seinerzeit sehr kostenbewusst errichtet. Außerdem hat man damals einige innovative und unkonventionelle Konstruktionen angewandt, um den spektakulären Entwurf von Mendelsohn umzusetzen. Die Fassade wurde z.B. als leichte „Vorhangkonstruktion“ errichtet, die Geschossdecken wurden kostengünstig in Elementbauweise erstellt. Der Umgang mit diesen Konstruktionen war gestalterisch und technisch sehr anspruchsvoll, weil mit teilweise sehr schlechter Substanz u.a. die sehr hohen Anforderungen an Statik und Brandschutz eines heutigen Museumsbaus zu erfüllen waren.

5.   Was machen Sie gerade?

Zur Zeit bearbeiten wir viele interessante Projekte, die überwiegend in Bayern liegen. Ganz besonders freuen wir uns über den Planungsauftrag für die Sanierung des Amerikahauses in München und ganz aktuell über den Gewinn des Planungswettbewerbs zum Umbau der Stadthalle in Bayreuth. Beide Maßnahmen haben den Umgang mit denkmalgeschützter Substanz aus den 50er und 60er Jahren zum Thema.

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