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5 Fragen an Ingo Kraft

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Steinwerkzeuge der ersten in Sachsen lebenden Menschen. (© smac)

Das smac ist Teil des Staatsbetriebs Landesamt für Archäologie beim Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst. Drei Abteilungen, Verwaltung, Archäologische Denkmalpflege und Zentrale Fachdienste haben ihren Sitz in Dresden Klotzsche. Das Museum hat am 1. März 2013 seine Diensträume am Stefan-Heym-Platz 1 in Chemnitz bezogen.

Für die fachliche Betreuung der Dauerausstellung gibt es für jede Etage Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen. Heute wollen wir Dr. Ingo Kraft als Experten für die Altsteinzeiten zu Wort kommen lassen.

1.   Ingo, stell Dich doch bitte kurz vor.

Mein Name ist Ingo Kraft, ich bin 53 Jahre alt und wohne mit meiner Frau und unseren zwei Kindern in Radebeul. Seit knapp 20 Jahren bin ich im schönen Sachsen als Archäologe tätig, derzeit als Referatsleiter für Ostsachsen. Studiert habe ich in meiner Heimatstadt Münster aber auch in Köln die Fächer Ur- und Frühgeschichte, Klassische Archäologie, Geographie und Ethnologie. Ein Freisemester habe ich in Malawi verbracht, auf einer Missionsstation der Weißen Väter, wo ich mir unter anderem in einem Tischlereibetrieb Kost und Logis erarbeitet habe.

2.   Für welchen Bereich warst Du bei der Dauerausstellung zuständig?

Die ersten konkreteren Besprechungen zum neuen archäologischen Museum in Chemnitz starteten 2008. Seit dieser Zeit bin ich – so nennen wir das – Etagenpate, also fachlicher Verantwortlicher für die 1. Etage im smac. Die 1. Etage behandelt die altsteinzeitliche (paläolithische) und mittelsteinzeitliche (mesolithische) Archäologie Sachsens und umfasst damit die Zeitspanne des ersten Auftretens des Menschen in Sachsen bis zu dem Zeitpunkt, an dem die ersten Bauernkulturen nach Sachsen vordringen, in Zahlen ausgedrückt also die Zeit von etwa  280.000 Jahren vor heute bis etwa 7000 Jahre vor heute. Da in dieser Zeit aber auch Klimaforschung, neueste genetisch/anthropologische und landschaftskundliche Forschungen eine sehr große Rolle spielen, hatte ich Unterstützung durch Wolf Unterberger, Biologe und habe nunmehr seit gut zwei Jahren sehr versierte Hilfe durch Melanie Wunsch, Archäologin.

3.   Worin liegt Deiner Meinung nach der Reiz in der Museumsarbeit?

Der Reiz der Arbeit besteht darin, komplexe Sachverhalte gut, also „leicht verdaulich“, den Besuchern zu vermitteln. Dabei ist nicht nur die textliche Begleitung der Fundobjekte zu beachten, sondern die Inszenierung der Funde, als eingängiges Bild, was in einer immer stärker durch Bilder geprägten Umwelt eine wichtige Rolle spielt. Als Beispiel hierfür mag die „Wissenschaftsgeschichte“ dienen. Hier soll kurz und knackig, die sog. „Sattelzeit“, also die Zeit der Aufklärung und der industriellen Revolution mit ihren Auswirkungen auf neue Wissenschaftsgebiete, wie der Geologie und der Archäologie zusammengefasst werden. Der Begleittext dazu sollte 800 Zeichen (etwa 10 Zeilen) nicht übersteigen. Das war schon eine Herausforderung. Ob das alles gelungen ist, wird die Zukunft zeigen. Wir haben viel Arbeit darein gesteckt, dass fachfremde Besucher jeglicher Couleur mit einem Aha-Gefühl unser Haus wieder verlassen sollen. Wenn die CS-Schweißerin aus Ottendorf-Ockrilla oder der Altenpfleger aus Limbach-Oberfrohna so das smac verlässt, dann haben wir es nach meiner Meinung geschafft.

4.   Verrätst Du uns Dein Lieblingsexponat?

Das ist nach wie vor der Faustkeil, also das klassische Arbeitsgerät der Neandertaler und seiner Vorgänger. Steinerne Werkzeuge hat es viele gegeben, aber der Faustkeil ist nach wie vor rätselhaft in seiner Formgebung. Für nichts ist er so richtig gut zu gebrauchen, (Schneiden kann man mit einem einfachen Abschlag besser und Hacken oder Schlagen mit einem unbearbeiteten großen Stein genauso gut). Der Faustkeil ist eher ein Allzweckgerät, bei dessen Herstellung auch ästhetische Aspekte eine Rolle gespielt haben müssen. Die gewollte Ästhetik, der man sich auch nach 100.000en von Jahren nicht so recht entziehen kann, überrascht.

5.   Warum lohnt es sich, die Ausstellung zu besuchen?

Ich denke, für jeden interessierten Menschen ist Geschichte im weitesten Sinne ein spannendes Terrain. Die Archäologie erforscht den Teil unsere Vergangenheit, der nicht durch Schriftquellen erhellt wird. Mit welchen Mitteln es der Archäologie gelingt, „Geschichte“ zu schreiben und damit ein an sich im Dunkeln liegendes Kapitel der Menschheitsgeschichte sichtbar macht, ist spannend. Erstmals seit vielen Jahrzehnten gibt es wieder eine Dauerausstellung zur Archäologie Sachsens. Das lohnt sich!

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