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5 Fragen an Dr. Maike Günther

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Bei der Anlieferung der Vitrinen für das 3. OG wurde Millimeterarbeit geleistet. (© smac)

In der dritten Etage der archäologischen Dauerausstellung spannt sich der zeitliche Bogen von der ersten slawischen Ansiedlung bis zum Beginn der Industrialisierung. Eine beeindruckende Installation ist die gut 40 Meter lange Wand, in der über 1200 Alltagsgegenstände aus sächsischen Stadtkerngrabungen präsentiert werden. Mit Maike Günther als verantwortliche „Etagenpatin“ konnte schon früh eine ausgewiesene Historikerin gewonnen werden.

1.   Maike, stell Dich doch bitte kurz vor!

Ich bin Maike Günther, habe in Dresden Geschichte und Deutsch studiert und in der Sächsischen Landesgeschichte promoviert. Seit 2005 arbeite ich im Museum und an Ausstellungen zur Stadt- und Landesgeschichte. Von Februar 2008 bis Oktober 2012 gehörte ich als Mitarbeiterin des Institutes für Sächsische Geschichte und Volkskunde zum Team des „Schockens“ oder HdAG („Haus der Archäologie und Geschichte“  –  Anm. d. R), wie wir zu sagen pflegten. Seit Oktober 2012 arbeite ich als Kuratorin für Stadt- und Landesgeschichte bis 1800 am Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig und bereite auch hier eine Ausstellung mit einem archäologischen Schwerpunkt vor. Ich lebe in Dresden mit meiner Tochter Marie und bin in der Freizeit Hobbywinzerin gemeinsam mit Freunden im Wachwitzer Weinberg.

2. Für welchen Bereich warst Du bei der Dauerausstellung zuständig?

Gemeinsam mit drei anderen Mitstreitern war ich für die dritte Etage zuständig, in der Sächsische Geschichte vom Jahr 1000 bis um 1900 erzählt wird. Bei uns waren immer alle überall dran, da wo es brannte oder mal nicht weiterging. Schwerpunktmäßig habe ich in den Bereichen Kolonisation, Bergbau, Bildungslandschaft und Industrialisierung gearbeitet. Die Bereiche heißen heute sicher und hoffentlich anders. Aber das trifft es thematisch. Als Etagenverantwortliche in der dritten habe ich mit meinen Themenpaten zusammengearbeitet und sozusagen den Kontakt zwischen der Projektleitung, Gestaltern und den Themenpaten hergestellt, Texte, Pläne und Ideen abschließend kontrolliert, Nachfragen weitergeleitet und Kompromisse ausgehandelt.

3.   Wie war für Dich als Historikerin die Zusammenarbeit mit den Archäologen?

Eine Herausforderung in jeder Hinsicht! Aber eine spannende. Es beginnt damit, dass jeder alles besser weiß. Beide Fachdisziplinen beanspruchen die Deutungshoheit in der Geschichte; Sachüberlieferung gegen Archivalie. Wir haben sogar ein Turnier über diese Deutungshoheit ausgetragen, der Sieg der Historiker war für mich natürlich keine Überraschung.
Aber Spaß beiseite. Das Miteinander ist immer auch ein Lernprozess. Die Wertschätzung der anderen Fachleistung und die kritische Einordnung der eigenen wollen geübt sein. Aber wir haben das, glaub ich, zumindest in der dritten Etage gut gemeistert, und ich hatte bis dahin noch nicht in einem Team gearbeitet, in dem so viel gelacht wurde, auch über die eigenen Schwächen. Na und mal Hand auf´s Herz, zu neuen Ergebnissen kommen wir nur gemeinsam.

4.   Verrätst Du uns Dein Lieblingsexponat?

Oh je, das ist schwierig. Es gibt ganz viele tolle Objekte. Viele von ihnen verraten erst auf den zweiten Blick, dass sie etwas Besonderes sind, aber das macht Entdecken auch spannend und führt zu unerwartetem. Zunächst ist es eines, was nicht gezeigt wird, ein Dachgiebel aus Breunsdorf. Schwer, unansehnlich und dennoch besonders. Daran hängt einfach auch eine schöne Geschichte. Zum anderen sind es das Modell der Saxonia, wenn sie denn kommt, das Modell der Göltzschtalbrücke und natürlich ein Stück Schiene aus der Strecke Dresden-Leipzig. Naja und ganz wirklich sind es die Mosaikhefte, welche über den Bergbau in Sachsen im 16. Jahrhundert erzählen, eine andere Art von Geschichtsvermittlung mit Liebe zum technischen Detail. Sucht euch was aus.

5.   Warum lohnt es sich, die Ausstellung zu besuchen?

280.000 Jahre Menschheitsgeschichte in Sachsen, bei der archäologische Funde lesbar gemacht werden, sind immer einen Besuch wert. 1000 Jahre Sächsische Geschichte auf knapp 1.100 Quadratmetern sollten die Neugier wecken, welche Akzente Archäologen und Historiker hierbei gesetzt haben und wie sich Geschichte und Archäologie miteinander vertragen bzw. streiten.

Mit dem Wissen, wieviel Liebe und Herzblut hier eingeflossen sind, kann ich nur sagen: Man braucht keine Himmelsscheibe für eine spannende Ausstellung und liebe Sachsen und Gäste, ihr seid selber schuld, wenn ihr auf die tollen Geschichten, die dieses Museum zu erzählen hat, verzichten wollt!

Alles Liebe für den Start im Mai!

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