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5 (+1) Fragen an Prof. Uwe R. Brückner

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Skizze Prof. Uwe R. Brückner. Kinetisches Sachsenmodell verbindet die drei Etagen der Daueraussstellung. (© ATELIER BRÜCKNER)

ATELIER BRÜCKNER aus Stuttgart konzipiert und gestaltet seit nunmehr 7 Jahren als Gesamtplaner die archäologische Dauerausstellung im smac. Das Museum wird vom Foyer bis zu den Erkerausstellungen die Handschrift des ATELIER BRÜCKNER tragen. „Form follows content“ lautet das Credo. Die Gestaltung der archäologischen Themen ist aus den Inhalten heraus entwickelt. Die innovative und erlebnisorientierte Ausstellung bedient sich dabei modernster Medien.

1.      Herr Brückner, Sie sind Architekt und Bühnenbildner sowie der Gründer des gleichnamigen Ateliers für Museumsarchitektur und Ausstellungsgestaltung in Stuttgart. Wie kam es, dass ATELIER BRÜCKNER mit der Gestaltung des smac (Staatliches Museums für Archäologie Chemnitz) beauftragt wurde?

Das Projekt war im Jahr 2008 international ausgeschrieben. – Im Anschluss an unsere Bewerbung wurden wir eingeladen, unsere Gestaltungsphilosophie vorzustellen. Vielleicht haben unsere integrativen Konzepte überzeugt, die wir zum Beispiel für das Gartenbaumuseum auf der historischen Cyriaksburg in Erfurt oder für das Bachhaus in Eisenach entwickelt haben. Sicher hat uns auch das erfolgreiche Haus der Geschichte Baden-Württemberg in Stuttgart und unser archäologisches Vorzeigeprojekt, das LWL-Museum für Archäologie im westfälischen Herne für diesen Auftrag empfohlen. – Trotz oder gerade wegen der deutlichen Ansage de Projektkoordinators Thomas Spring, auf keinen Fall ein Herne II zu entwickeln. Beflügelt wurden wir zudem durch einen frischen Wettbewerbserfolg: im Januar 2009 hatten wir den Zuschlag für die Gestaltung des Nordflügels des Dresdner Schlosses erhalten.

 2.   Was hat Sie inhaltlich an der Aufgabe gereizt?

Uns hat der inhaltlich innovative Ansatz des Projektkoordinator Thomas Spring sehr angesprochen, der da lautet: „Wir interessieren uns mehr für das was wir nicht wissen, als für das was wir wissen“. Das war Ansage und Herausforderung zugleich – ich meine eine zeitgemäße Haltung mit Blick auf morgen auf der Basis der Erkenntnisse über das gestern. Die Archäologie bis in die heutige Zeit hinein zu thematisieren, also die Sicht der Historiker zu integrieren, finde ich einen gerade notwendigen wie aktuellen Ansatz, der sich so auch an die jungen Museumsbesucher richtet.

Darüber hinaus hat uns natürlich die Konversion vom Kaufhaus zur Kultureinrichtung gereizt und in Atem gehalten.

3.       Hat demnach das von Erich Mendelsohn entworfene Kaufhaus für Sie als Gesamtplaner Einfluss auf die Ausstellungsgestaltung und Szenografie genommen?

Ja, in der Tat hat der Charakter des ehemaligen Kaufhauses eine große Rolle gespielt. Wir wollten sowenig wie möglich an der Struktur und der Lesbarkeit der Architektur ändern und dabei soviel Museum wie möglich umsetzen.

Sicherlich hat mir geholfen, dass ich immer ein bekennender Fan der Architekturen Erich Mendelsohns war und ein Verfechter integrativer Gestaltung bin; d.h. ich plädiere dafür, die (historische) Architektur und die Szenografie symbiotisch miteinander kommunizieren zu lassen, statt in den formalistischen Widerstreit zu flüchten.

4.       War es für Sie eine Herausforderung ein Archäologiemuseum in einem ehemaligen Kaufhaus zu planen?

Die größten Herausforderungen waren sicherlich die Stützenstruktur und die niedrigen Geschosshöhen. Die Ausstellungsräume heutiger Museen haben mindestens eine Deckenhöhe von 4,50 Metern, sind in der Regel stützenfrei und besitzen ein, die Orientierung unterstützendes mehrgeschossiges Foyer. Gemeinsam mit den Architekten ist es uns gelungen, trotz der Geschosshöhe von nur 3,00 Metern einen niedrigen Hohlboden für freie Kabelverlegung einzuziehen sowie zwei vertikale Verbindungen herzustellen, ohne dabei die Struktur des Mendelsohnbaus anzugreifen: Zum einen verbindet nun eine inszenierte Rampentreppe das Foyer mit den drei Ausstellungsgeschossen; sie wird begleitet von einem 21 Meter hohen Profilschnitt und führt damit den Besucher in eine narrative Dramaturgie nahtlos und konsistent zu allen Etagen.

Zum anderen erlaubt die zentrale Deckenöffnung über alle Geschosse hinweg ein faszinierendes Erlebnis: Auf dem weltweit einzigartigen, extrudierten Sachsenmodell werden 270.000 Jahre Archäologie im Zeitraffer eingespielt und damit die archäologischen Phasen der drei Dauerausstellungsetagen visuell und inhaltlich verbunden.

5.       Was bereitete Ihnen schlaflose Nächte?

Die Synchronität und die ganzheitliche Zielsetzung aller Beteiligter – Teams und Experten; ein derart exponiertes und ambitioniertes Projekt rechtzeitig in der erwarteten Qualität zu realisieren und auf dem angestrebten hohen, internationalem Niveau zu platzieren.

6.       Was machen Sie gerade?

Neben der Kreativbetreuung unserer internationalen Museumsprojekte, unter anderem in China, Korea und Saudi Arabien sowie meiner Lehrtätigkeit an der HGK Basel (Uwe R. Brückner lehrt Ausstellungsgestaltung und Szenografie. Anm. d. Red.) arbeite ich gerade mit großem Vergnügen am „Making of“ – einer Dokumentation über das „Schocken“-Projekt, wie das smac bei uns intern immer noch genannt wird.

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