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Erich Mendelsohn: „Bauen ist Glückseligkeit“

Erkerausstellung Erich Mendelsohn. Foto: Michael JungblutEntlang der gewölbten Fensterfront reihen sich im 1. Obergeschoss des smac 17 Modelle der wichtigsten Gebäude Erich Mendelssohns aneinander. Im Vordergrund das Modell vom 1960 abgerissenen Kaufhaus Schocken in Stuttgart. (© smac)

Das vom Architekten Erich Mendelsohn entworfene Chemnitzer Kaufhaus Schocken war Vorbild für weitere Schocken-Warenhäuser, etwa in Nürnberg und Stuttgart. Das Staatliche Museum für Archäologie Chemnitz (smac) widmet im Erker des ersten Stocks dem Architekten eine Dauerausstellung – die deutschlandweit einzige museale Würdigung Erich Mendelsohns. Die Kuratorin und Mendelsohn-Expertin Prof. Dr. Regina Stephan (Mainz) zeichnet hierbei für die biographische Darstellung sowie die Aufarbeitung der architektonischen Schaffensgeschichte Erich Mendelsohns verantwortlich. Die Nachbauten wurden unter ihrer Federführung geplant und nachgebaut.

1.      Frau Stephan, stellen Sie sich bitte kurz vor.

Kunst und Geschichte sind meine Leidenschaft. Sie habe ich zu meinem Beruf gemacht. Als Kunsthistorikerin unterrichte ich an der Hochschule Mainz Architekturstudenten und bringe ihnen die Grundlagen der europäischen Architektur- und Stadtbaugeschichte nahe. Darüber hinaus macht es mir große Freude, die Ergebnisse meiner Forschungen für die Öffentlichkeit aufzubereiten und in Ausstellungen und Büchern vorzustellen.

2.      Wie entstand die Idee, zusammen mit Ihren Studenten und Studentinnen Modelle der wichtigsten von Erich Mendelsohn geplanten Gebäude nachbauen zu lassen?

Ich hatte mich in meiner Dissertation intensiv mit den Waren- und Geschäftshäusern Erich Mendelsohns beschäftigt und nach deren Abschluss die Idee, zusammen mit anderen jungen Kunsthistorikern, die gleichfalls Werkabschnitte Mendelsohns erforscht hatten, ein gemeinsames Buch zu publizieren. Ziel war es, die neuen Erkenntnisse der breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Es war ein großes Glück für uns, dass wir den Verlag Hatje Cantz, der für seine herausragenden Kunst- und Architekturbücher bekannt ist, für dieses Projekt gewinnen konnten. Gemeinsam überzeugten die damalige Verlagsleiterin Annette Kulenkampff und ich das Institut für Auslandsbeziehungen ifa, eine Ausstellung zu Mendelsohn erstellen zu lassen und auf Tournee zu schicken. Sie war von 2000-2013 weltweit auf Reisen.

3.      Was waren dabei für Sie die größten Herausforderungen?

Wir wollten keine so genannten Modelleisenbahnermodelle – grüne Wiese, rote Ziegel etc. –  bauen, sondern die Baumaterialien der realisierten Bauten in unterschiedliche Furniere, Pappen, Folien transferieren. Die Modelle fertigten ja Studierende im Rahmen von Lehrveranstaltungen, und zwar am Institut für Darstellen und Gestalten der Universität Stuttgart. Der damalige Werkstattleiter Martin Hechinger lehrte den Studierenden Abstraktion, Transfer und Detailgenauigkeit. Ich bewundere ihn sehr. Problematisch war es, aus unzureichendem Planmaterial und historischen Fotos hinreichend viele Informationen zu ziehen, um Modelle zu realisieren. Bisweilen mussten hierfür ungewöhnliche Wege beschritten werden: So ermöglichte uns erst das Messen eines Fenstersimses der realisierten Schocken-Bibliothek durch eine Kollegin in Jerusalem, die unbemaßten Pläne, die uns zur Verfügung standen, so aufzubereiten, dass wir ein maßstäblich richtiges Modell bauen konnten. Es ist technisch herausragend, auch weil die Modellbauerin gelernte Schreinerin war.

4.      Die Modelle wurden auf Ausstellungen in der halben Welt gezeigt? Wie war die Resonanz der Besucherinnen und Besucher?

Wir hatten eine sehr gute Resonanz auf diese Ausstellung, was man auch an ihrer ungewöhnlich langen Laufzeit ermessen kann. Im Mittelpunkt des Interesses standen immer die Modelle, die für alle Betrachter ein besonders gut zugängliches Medium sind. Pläne zu lesen ist für viele Menschen schwierig. Modelle ermöglichen uns einen unmittelbaren Eindruck. Man kann sich quasi dreidimensional in ein Gebäude hineinsehen. Immer wieder waren die Präsentationen der Ausstellung von Symposien, Vortragsreihen und Workshops – gerade auch zum Modellbau – begleitet. Unsere Partner vor Ort waren die Goethe-Institute. Oftmals wurden die Eröffnungen durch die Anwesenheit des deutschen Botschafters geehrt. Die Organisation und Logistik dieser großen Ausstellung, die in ihren stabilen Transportkisten einen ganzen Container füllte, durch das ifa und die Goethe-Institute funktionierte wirklich großartig.

5.      Verraten Sie uns Ihr Lieblingsmodell?

Da muss ich passen. Ich habe jedes einzelne der Modelle in seiner Herstellung begleitet, die Materialien zusammengestellt, die ihr zu Grunde lagen, mit den Studierenden diskutiert, mit dem Kollegen Hechinger nach Lösungen gesucht. Jedes Modell steht für ein besonderes Werk Mendelsohns, für eine bestimmte Zeit seines Lebens, aber auch für die Studierenden, die sie fertigten. Die Modelle sind so unterschiedlich in ihrer Machart, dass jedes ein Kunstwerk für sich ist.

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