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Dinge mit Geschichte(n) #2 – Die Rindenbastbeutel der Jungsteinzeit

 

Beutel

Dieser Rindenbastbeutel wurde in einem jungsteinzeitlichen Brunnen gefunden. Aufgrund der guten Erhaltungsbedingungen im Grundwasserspiegel ist der Beutel fast vollständig erhalten geblieben.(Foto: smac)

 

Ihr habt vielleicht den buntesten, den coolsten oder den von der besten Band, aber wir haben einen der ältesten Beutel der Welt!

 

Der Beutel ist wieder da! Als Lifestyle-Utensil ist er seit Jahren ein Trend, ob über der Schulter oder als Rucksack getragen. Genutzt wird der Beutel nicht nur zur Aufbewahrung von allerhand Dingen, sondern er ist Träger von Messages und Grafiken und damit ein Kommunikations- und Werbemittel. In dieser Funktion ist der Beutel ohne Zweifel eine Erfindung des 20. Jahrhunderts. Als Aufbewahrungs- und Transportmittel ist er allerdings um ein vielfaches älter und einer der älteste Beutel stammt aus Eythra südlich von Leipzig und er datiert in die Zeit um 5200 v. Chr.

 

Jute oder was

Jutebeutel als Lifestyle-Objekt. Ihre Hauptfunktion heute ist, Träger von Statements zu sein.

 

Genau genommen wurden in Sachsen bereits 13 Beutel ausgegraben. Gefunden wurden sie in Brunnen aus der Jungsteinzeit. Alle Beutel bestehen aus Rindenbast. Sie sind entweder an den Seiten und am Boden mit Bastschnur vernäht und sehen aus wie der klassische Jutebeutel oder sie sind unten umgeknickt und an beiden Seiten mit gespaltenen Haselnußstäben verschlossen. Letztere erinnern in der Form an   Weekender, d. h. kleine Reisetasche wie sie ebenfalls wieder modern sind. Nun haben die Bastbeutel der Steinzeit weder als Hand- noch als Reisetasche gedient. Vielmehr wurden sie hauptsächlich zum Wasserholen genutzt. Im Brunnen aus Altscherbitz lag ein Beutel nahe der Brunnensohle und war wahrscheinlich beim Wasserschöpfen verloren gegangen. Wann genau dieses gute Stück in den Brunnen gefallen ist, wissen wir nicht. Die naturwissenschaftliche Altersbestimmung des Holzkastens ergab allerdings, dass der Brunnen von Altscherbitz um 5101 v. Chr. am Rand einer dorfähnlichen Siedlung errichtet wurde.

 

Ebene 2 Brunnen Altscherbitz en bloc Grabungt - Kopie(c) smac, Foto LfA

Der Brunnen von Altscherbitz wurde im Block geborgen. Mit einem Schwerlasttransporter wurde die 70 Tonnen schwere Blockbergung nach Dresden gebracht. Dort konnte der Brunnen unter Laborbedingungen ausgegraben werden. (Foto: LfA Dresden)

 

Entdeckungen wie die Brunnen und Rindenbastbeutel aus Altscherbitz zählen – ob ihr es glaubt oder nicht – eben auch zu den Sternstunden in der Archäologie. Die besonderen Erhaltungsbedingungen im Grundwassermilieu erlauben einen Blick auf eine beeindruckend kreative Produktpalette, alles DIY natürlich. Darüber hinaus ermöglichen die Brunnenfunde weitreichende Aussagen über das Verhältnis von Mensch und Umwelt. So geben die Samenfunde von Bilsenkraut und Schlafmohn einen Hinweis auf den sicheren Griff nach hilfreichen Kräuterchen, wenn Körper und Geist schmerzten. Und wer weiß, vielleicht haben diese Mittelchen durch ihre halluzinogene Wirkung auch so manche kreative Idee hervorgebracht, wie die Beutel vor ca. 7000 Jahren.

 

Wer mehr erfahren möchte, dem sei folgende Literatur ans Herz gelegt und natürlich der Besuch unserer Ausstellung.

 

Ein linienbandkeramischer Brunnen vom Flughafen Leipzig/Halle.http://www.archaeologie.sachsen.de/1734.htm
Rengert Elburg/Petra Herold, Tiefe Einblicke in die Vergangenheit. Der jungsteinzeitliche Brunnen aus Altscherbitz gibt Aufschluss über das Leben vor 7100 Jahren. Archaeo . Archäologie in Sachsen 7, 2010, 23-27.
Harald Stäuble, Die ersten Bauern in Sachsen. Hunderte Siedlungen in nur drei Regionen. Archaeo. Archäologie in Sachsen 8, 2011, 4-13.

 

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2 Gedanken zu “Dinge mit Geschichte(n) #2 – Die Rindenbastbeutel der Jungsteinzeit

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