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Ein Buch ist kein Buch – Welttag des Buches

2015 04 23_Tag des Buches_SchockenZum Netzwerk von Salman Schocken gehörten auch Schriftsteller, Verleger und Buchliebhaber.

 

Das digitale Zeitalter hat uns vielfältige online-Identitäten und unzählige globale Handlungsspielräume beschert und in regelmäßigen Abständen das Ende des Buches eingeläutet. Aber offensichtlich ist ein Medium, dessen Herausgabe im Druckformat von Victor Hugo einst als „größtes Ereignis der Weltgeschichte“ bezeichnet hat, nicht so leicht aus der Welt zu schaffen. Im Gegenteil Wie eh und je erfreuen sich Bücher auch in ihrer analogen Form großer Beliebtheit. Allein in Deutschland werden pro Jahr an die 400 Millionen Titel verkauft. Heute, am Welttag des Buches kann man also sagen, eine gute Bilanz. Aber was sagen schon Verkaufsstatistiken? Eindrucksvoller sind da schon die Selfies auf der Aktionsseite „Mein Herzbuch“ des Deutschen Buchhandels. Und auf das Ende des Buches kann man sich eigentlich nur nach einer durchlesenen Nacht freuen, möglichst vor Arbeitsbeginn.

 

 

Ein Liebhaber gedruckter Werke wie er im Buche steht war auch Salman Schocken. Der Begründer und Inhaber des Schocken Konzerns besaß nicht nur eine beachtliche Bibliothek mit 60 000 Titeln, sondern war zudem Verleger sowie Freund und Förderer von Schriftsteller_innen wie Samuel Jospeh Agnon, der 1966 den Literaturpreis erhielt, und Else Lasker Schüler. Seinen Verlag gründete Schocken sogar insgesamt drei Mal. Zuerst 1931 in Berlin als „Schocken Verlag“. Bis zur Schließung des Verlags 1938 durch die Nationalsozialisten erschien dort vor allem die „Bücherei des Schocken Verlags“ (Schocken-Bücherei). Die kleine Reihe, die in der Aufmachung an die Insel-Bücherei des (ursprünglich) Leipziger Verlags erinnert, umfasst 83 Werke von jüdischen Autoren bzw. Titel mit Themen, die einen Bezug zum Judentum haben.

 

2015 04 23_Tag des BuchesDie Schocken Bücherei aus dem Schocken Verlag Berlin.

 

Nach dem Ende des Schocken Verlags Berlin gründete Schocken im Exil das „Schocken Publishing House“ im damaligen Mandatsgebiet Palästina. Heute führt die Enkelin von Salman Schocken, Racheli Edelmann, den Verlag mit Sitz in Tel Aviv fort.

 

Als Schocken nur wenige Jahre später Jerusalem verließ und nach New York City ging, entstand schließlich „Schocken Books“. Inzwischen dem großen Verlag „Random House“ angegliedert, besteht auch dieser Verlag zumindest als Publikationsreihe Jüdischer Literatur weiter fort.

 

Salman Schocken hätte als Bücherliebhaber den Tag des Buches sicher gebührend gefeiert. Zu seinen Lieblingsschriftstellern gehörte übrigens Goethe. Stets trug er eine bis auf den Satz beschnittene Ausgabe verschiedener Goethewerke in einer Sakkotasche bei sich. Bücher waren für Schocken Lebensratgeber in religiösen, weltlichen und ästhetischen Fragen. Und sein Erfolg unterstreicht diese Einstellung zu Büchern, denn Schocken war Autodidakt.

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