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#GELDausstellung – a – wie Apfel für Birne

von Jens Beutmann

fruit-11371_1280Apfel gegen Birne. Das smac tauscht Ware gegen Ware und alle können mitmachen. 

Das smac plant derzeit seine erste „eigene“ Sonderausstellung: Im nächsten Jahr, voraussichtlich ab 26. Mai, soll unsere Schau mit dem Titel Geld zu sehen sein. Im Vorfeld möchten wir nun einmal ausprobieren, wie weit man in der Gegenwart ohne Geld kommen kann. Ausgehend von einer Pfeilspitze möchten wir uns Schritt für Schritt, Tauschgeschäft für Tauschgeschäft etwas möglichst Wertvolles ertauschen.

Eines gleich vorweg: Wir halten nicht viel von der „Tauschhandels-These“, die in vielen volkswirtschaftlichen Einführungswerken immer noch angeführt wird. Dieser These zufolge sei das Geld entstanden, um den Tausch zu vereinfachen, denn in den vermuteten Tauschökonomie habe man sich für die eigenen Wünsche immer erst den geeigneten Tauschpartner suchen müssen. Wer beispielsweise Äpfel eintauschen wollte, hätte nicht nur jemanden finden müssen, der solche anbot, sondern derjenige hätte auch noch an den als Gegenleistung angebotenen Birnen Interesse haben müssen. In einer solchen Gesellschaft wäre ein allgemeines Wertäquivalent, wie es Geld darstellt, natürlich tatsächlich eine geniale Erfindung gewesen. Doch halten wir diese Idee einer ursprünglichen „Tauschökonomie“ für eine gelehrte Fiktion. Was wir aus völkerkundlichen Beobachtungen über geldfreie oder vormonetäre Gesellschaften wissen, zeigt vor allem, dass das Geben und Nehmen stark in den jeweiligen sozialen und kommunikativen Kontext eingebunden war. Wenn jemand also einem anderen etwas schenkte, dann entstand daraus eine wie auch immer geartete Verpflichtung. Hauptzweck war die Sicherung sozialer Beziehungen, vielleicht einer Unterwerfung, eines Friedensschlusses oder einer Ehe.

Demgegenüber setzt die Idee eines Tausches mit gegenseitiger Gewinnabsicht, bzw. eines Tausches gleichwertiger Güter, einen allgemeingültigen Wertmaßstab voraus, den eben erst das Geld bot. Selbst wenn solche Tauschgeschäfte in Einzelfällen vorgekommen sein mögen, konnten sie in weitgehend auf Selbstversorgung ausgerichteten Gesellschaften kaum die kritische Masse überschreiten, um ein Gut zu einem allgemein akzeptierten Äquivalent zu machen. Diese kritische Masse konnte jedoch erreicht werden, wenn eine Gesellschaft so etwas wie zentrale Abgaben kannte, die an Priester, Fürsten, „Big Men“ o.ä. zu leisten waren: Wenn jeder Einzelne ein bestimmtes Gut in einer bestimmten Menge zu einem bestimmten Zeitpunkt benötigte, um seinen Verpflichtungen gegenüber Göttern und Obrigkeit nachzukommen, dann entstand eine konstante Nachfrage nach diesem Gut, die es auch als Tauschmittel attraktiv machte. Denn für ein Gut, das man annahm, obwohl man es nicht selbst verbrauchen konnte, musste man später einen Dritten finden, der es akzeptierte. Dies ist bis heute die Grundbedingung für die Werthaltigkeit des Geldes: Nur wenn man damit rechnen kann, es für eine angemessene Gegengabe wieder los zu werden, wird es als Bezahlung akzeptiert. Übrigens kann man die Funktionsweise einer solchen Geldeinführung an einem frühneuzeitlichen Beispiel gut nachvollziehen: Als erstes funktionierendes deutsches Papiergeld gelten die „Kursächsischen Kassen-Billets“. Bei ihrer Einführung im Jahr 1772 bestimmte der sächsische Staat, dass ein Teil der Steuern in genau diesen Billets bezahlt werden musste. Dies genügte, um diese Scheine so beliebt zu machen, dass sie zeitweise sogar mehr galten als nominell gleichwertige Silbermünzen[i].

Vor diesem Hintergrund dient unsere Tauschaktion also nicht dazu, den vermeintlichen „Urzustand“ einer Tauschökonomie wiederzubeleben. Vielmehr wollen wir schauen, ob hier vielleicht Wertmaßstäbe zum Tragen kommen, die sich vom Geldwert lösen – und hoffen, dass alle ihren Spaß dabei haben.

 

1544352_949185931813156_734024748809828881_nTauschgeschäft mit dem smac gefällig? Das erste Tauschobjekt ist eine Pfeilspitze aus Jaspis. Sie ist die Nachahmung einer jungsteinzeitlichen Geschossspitze. Hergestellt wurde sie von Michael Kaiser aus Freiburg.

 

Die Aktion funktioniert denkbar einfach: Wir stellen ein Gut, zu Beginn unsere Pfeilspitze, auf Facebook vor und erwarten nun Ihre Tauschangebote. Diese können direkt auf Facebook, per E-Mail, per Telefon oder per Brief eingereicht werden – am liebsten natürlich mit Bild (des Objektes – nicht des Anbieters). Wir nehmen grundsätzlich nicht nur materielle Güter an: Alles was irgendwie handelbar ist, ein Abendessen mit einem Promi, eine Backstage-Karte für ein Rockkonzert, eine Kreuzfahrt oder ein Gutschein für eine Dauerwelle, ist denkbar – solange es den guten Sitten nicht widerspricht (Was den guten Sitten entspricht, entscheiden wir). Wenn mehrere Angebote eingegangen sind, entscheiden wir uns für das unserer Meinung nach beste (wertvollste?) und stellen dieses dann wiederum zum Weitertauschen ins Netz. Das Gut, das wir Mitte Mai dann ertauscht haben, wird in unserer Ausstellung natürlich zu sehen sein – vorausgesetzt, es erfüllt die technisch-logistischen Voraussetzungen dafür (bei der Dauerwelle, beispielsweise, wäre unsere Kreativität gefragt – aber vielleicht schließen wir die wegen der guten Sitten ohnehin aus).

Zugegeben: Die Idee für das Ganze ist nicht neu. Der Kanadier Kyle MacDonald hat sich von einer Büroklammer ausgehend ein Wohnhaus eingetauscht und darüber ein Buch geschrieben[ii]. Mal sehen, wie weit wir kommen.

Die Bewertung unserer Tauschobjekte wird am Ende – da machen wir uns nichts vor – auch wieder am Geld vollzogen werden. Davon losgelöst können wir „Wert“ gar nicht mehr denken. Insofern wird aus unserem Spiel am Ende Ernst werden: Das am Schluss erhaltene Gut wird nach der Ausstellung für einen guten Zweck meistbietend versteigert.

[i] Frank Metasch: Moderne Formen staatlicher Geldschöpfung. Die erfolgreiche Einführung von Papiergeld in Sachsen 1772, in: Dresdner Hefte 114 (2013): Sachsen zwischen 1763 und 1813, S. 72-80.

[ii] Kyle MacDonald: One Red Paper Clip. Fischer-Verlag (Frankfurt 2008). link: http://www.redpaperclip.com/

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Ein Gedanke zu “#GELDausstellung – a – wie Apfel für Birne

  1. Paulina Zakrzewska schreibt:

    Die Universitätsbibliothek der TU Chemnitz bietet zum Tausch ein persönliches Servicepaket an: Dazu gehören eine Einladung zum Open Access Tag 2015 am 2.11.2015 sowie zur Publikationsberatung durch das Open Access Team der Universitätsbibliothek, zusätzlich ein Gutschein für sämtliche Schulungen der Bibliothek im laufenden Semester sowie als Bonbon eine Extraführung durch „geheime“ Winkel der Universitätsbibliothek – von der Leiterin des Bereiches Service!

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