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Herrin der Bücher. 5 Fragen an Racheli Edelmann

2015 10 23_Racheli EdelmannDie Verlegerin Racheli Edelmann, geb. Schocken ist seit 1972 Präsidentin von Schocken Publishing House, Tel Aviv.

 

Als Salman Schocken 1931 den Schocken Verlag Berlin gründete, ahnte er noch nicht, dass er diesen Verlag zwei weitere Mal an jeweils unterschiedlichen Standorten neu aufbauen und fortführen musste. Nach seiner Emigration entstand 1939 erst Schocken Publishing House Ltd in Palästina. 1945 gründete Schocken in New York Schocken Books Inc. Während der Schocken Verlag Berlin in Nazideutschland aufgegeben werden musste und 1987 Schocken Books an die Verlagsgruppe Random House verkauft worden ist, wird Schocken Publishing House Ltd noch heute von der Familie und insbesondere von Racheli Edelmann geführt, einer Enkelin von Salman Schocken. Sabine Wolfram hat Racheli Edelmann nach Geschichte und Tradition der Schockenverlage, nach der Leidenschaft für Bücher und dem Verlagswesen in Israel gefragt.

 

1. Racheli, wie kam es dazu, dass der Schocken Verlag drei Mal neu gegründet wurde? Was bewog Salman Schocken als Kaufmann, Gründer und Besitzer einer Kaufhauskette dazu, einen Verlag zu gründen?

 

Der Schocken Verlag wurde dreimal gegründet, entsprechend der Lebensstationen Salman Schockens, d.h. nach der Emigration erst in Palästina und dann in Amerika, wo er ab 1940 lebte. Vermutlich waren die Bewegründe immer die gleichen. Salman Schocken wollte jüdische Bücher auf Deutsch herausbringen, damit die Juden, die des Hebräisch nicht mehr mächtig waren, dennoch mit der jüdischen Kultur verbunden blieben. Und zwar deshalb, weil er davon ausging, dass die Juden irgendwann aus Deutschland vertrieben werden würden. Dabei erahnte er allerdings in keiner Weise den Holocaust.

 

2. Seit 1972 leitest Du die Geschäfte von Schocken Publishing House Ltd. Hat sich das Verlagswesen im Verlauf der letzten Jahrzehnte verändert? Und in welcher Tradition steht Schocken Publishing House Ltd?

 

Mit der Auswanderung nach Palästina hat sich die Situation für unseren Verlag bereits zu Lebzeiten meines Großvaters verändert, denn damals musste er ein völlig neues, anderes Publikum erschließen – und zwar auf Hebräisch.

Ich würde sagen, wir stehen mit unserem literarischen Programm in der europäischen Verlagstradition, allerdings haben wir zu meiner Zeit aus mehr Sprachen ins Hebräisch übersetzen lassen und geben auch Textbooks für diverse Studiengänge heraus. Alles in allem bevorzugen wir die Veröffentlichung literarischer Werke (statt eher „commercial novels“) und über die vielen Jahre hinweg hatten wir durchaus einige Bestseller – sowohl literarischer Werke als auch Sachbücher.

 

3. Gibt es Deiner Meinung nach Unterschiede zwischen dem deutschen, israelischen und amerikanischen Verlagswesen? Gibt es eine Tendenz, wonach sich die israelischen Verlage eher nach Amerika oder nach Europa orientieren.

 

Abgesehen davon, dass Verleger in Israel gerne die Amerikaner kopieren und auf Bestseller setzen, ist die Buchwahl der Israelis eher europäisch geprägt. Es wird insgesamt mehr übersetzt.

 

4. Dein Großvater Salman Schocken wird oft mit dem Attribut ‚Bibliophil‘ beschrieben. Wie äußerte sich diese Leidenschaft für Bücher bei Ihm, abgesehen von den Verlagsgründungen?

 

Salman Schocken glaubte an die Macht des geschriebenen Wortes und daran, dass Bücher die Menschen beeinflussen. Seine Publikationen werden häufig als „schön“ bezeichnet, obwohl sie sehr einfach in der Gestaltung waren. Allerdings waren sie sorgsamer hergestellt – auch mit weniger Druckfehlern – als die anderer jüdischer Verlage. Darüber hinaus äußerte sich seine Bibliophilie vor allem in seiner Sammelleidenschaft, denn je mehr Geld er besaß, desto mehr Wert legte er auf die Ausstattung seiner Bücher.

 

5. Wie wünscht Du Dir die Zukunft von Schocken Publishing?

 

Ich hoffe, ich kann fortfahren erfolgreich interessante, gut hergestellt Bücher herauszubringen und dass ich genügend Zeit habe, die richtigen Bücher auszuwählen. Im Prinzip hoffe ich, unseren Weg fortsetzen zu können.

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