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#Geldausstellung: Playmobil 5177: Bank mit Geldautomat

von Susanne Hahn

Großaufnahme Bank

Das Modell 5177: Bank mit Geldautomat ist Teil der Reihe City Action in der Bank von Playmobil und bald in der Ausstellung GELD im smac zu sehen.

 

„Kann ich Ihnen helfen?“ – „Ja, Entschuldigung, wir sind hier um ihre Bank zu überfallen!“

            aus: „Bandidas“ (2006)

 

Vom 27. Mai  bis 30. Dezember 2016 präsentieren wir unsere erste eigene Sonderausstellung. Thema ist GELD – ganz recht, GELD im Allgemeinen und im Besonderen. Zu sehen gibt es ganz altes und ganz neues Geld, ganz kleines und ganz großes, wertvolles und wertloses. Heute kaufen wir fast alles für Geld und dementsprechend möchte jede_r möglichst viel Geld haben. Doch wie kommen wir zu Geld und was machen wir anschließend damit? Die Ausstellung zeigt vielleicht nicht alle, aber viele Möglichkeiten, zu Geld zu kommen, auch solche jenseits der Legalität, wie z.B. ein Banküberfall.

 

City Action in der Bank: „In der Bank mit Geldautomat findet ein Überfall statt! Die Bankkunden heben gerade Geld am Geldautomaten ab und tätigen ihre Überweisungen am Bankschalter. Da stürmt plötzlich eine bewaffnete Bankräuberin herein. „Hände hoch!“, ruft sie und befiehlt dem Bankangestellten, den Tresor zu entriegeln und ihr die Goldbarren und Geldvorräte auszuhändigen.“ Ob es sich dabei tatsächlich um eine  „realitätsgetreue Ausstattung“ eines Banküberfalls im 21. Jahrhunderts handelt, wie es der Spielzeughändler verspricht, ist fraglich. Vielmehr bringt Playmobil hier den Mythos vom Abenteuer Bankraub vermischt mit Elementen moderner Geldwirtschaft in Erinnerung. In Zeiten von Onlinebanking und Kreditkartenbetrug ist der „klassische“ Banküberfall ins Hintertreffen geraten. Dabei ist 2016 ein Jubiläumsjahr: vor 185 Jahren fand in New York der weltweit erste Bankraub statt. Edward Smith erbeutete in der City Bank in der Wall Street 245.000 Dollar. Er wurde gefasst und zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Später waren es Bonnie und Clyde, die aufgrund ihrer Medienpräsenz das Bankraubgewerbe nicht nur mit Reichtum, sondern mit Freiheit und Abenteuer verbanden.

 

Bonnieclyde_f_klein

Das Gangsterduo Bonnie Parker und Clyde Barrow überfiel während der Weltwirtschaftskrise in den 1930er Jahren Banken, Lebensmittelgeschäfte und Tankstellen (Foto: Im Besitz der Library of Congress, USA unter der ID cph.3c34474).

 

In Deutschland nahmen Bankräuber erst in den 1920er Jahren ihre Arbeit auf. Ihre prominentesten Vertreter waren die Gebrüder Sass. Als Sensation gilt bis heute ihr 1929 durchgeführter Einbruch bei der Disconto-Gesellschaft am Berliner Wittenbergplatz. Vom Keller eines Nachbarhauses gelangten sie durch einen Tunnel in den Tresorraum der Bank und knackten die Kundensafes. Weil viele Bankkunden aus Angst vor dem Finanzamt ihre tatsächlichen Verluste nicht angeben wollten, konnte nie geklärt werden, wie groß die Beute tatsächlich war. Zwei Millionen Reichsmark sollen es mindestens gewesen sein. In den 1960er und 70er Jahren boomte das Bankraubgeschäft in der BRD. Wurden 1962 noch 57 Banküberfälle registriert, waren es 1978 schon 565. Besonders die RAF und die Bewegung 2. Juni wurden aktiv, um Stadtguerilla und Lebenshaltungskosten zu finanzieren.  In der DDR hingegen fehlte es bis 1989 an Banküberfällen. Ob es am Sozialismus oder an der Wertlosigkeit der DDR-Mark gelegen hat, ist nicht zweifelsfrei geklärt. Kurios hingegen verlief der erste registrierte Banküberfall der Noch-DDR am 6. Juli 1990, fünf Tage nach der Währungsreform. Der Räuber, der an diesem Tag die Sparkasse in Herzfelde östlich von Berlin überfiel, ließ sich altes DDR-Geld andrehen, das wenige Stunden später mit dem Ende der Umtauschfrist zu Altpapier wurde. Waren die Banken in der ehemaligen DDR zu Beginn der 1990er Jahre wegen ihrer fehlenden Sicherheitsanlagen für Bankräuber zunächst ein Paradies auf Erden, ebbten die klassischen Überfälle seit den 2000ern immer mehr ab. Geraubt wird heute im Cyberspace. Betrugsuntersuchungs-fachleute gehen davon aus, dass sich im Netz mit einem Schlag etwa 2 Millionen Dollar einsacken lassen, ein klassischer Bankraub hingegen bringt im Schnitt nur 30.000 Euro ein.

 

Nahaufnahme Bank

Die Reihe City Action in der Bank von Playmobil zeigt eine Bankräuberin.

 

Dass auch Frauen im Bankraubgeschäft mitmischten, bestätigen weniger die kriminalpolizeilichen Statistiken, als vielmehr ihre besondere Präsenz in der Medienöffentlichkeit. Hielten Kriminologen Frauen für einen Bankraub eher psychisch ungeeignet, schlachteten die Medien diese seltenen Ereignisse ausgiebig aus. War eine Frau im Spiel, löste das in der Presse der 1970er Jahre regelrechte erotische Ausnahmezustände aus. Dass Playmobil nun eine Bankräuberin in Szene setzt, haben wir aber hoffentlich der Förderung der Chancengleichheit zu verdanken…

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