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#GELDausstellung – Wampum

von Timo Luks und Doreen Mölders

Wampumkette_aSelten und Wertvoll: eine Wampumkette vor 1926 vermutlich irokesischer Herkunft aus Nordamerika, Leihgeber und © Karl-May-Museum Radebeul.

Wampum – das „Gold der Indianer“?

Wenn Winnetou – oder besser gesagt Pierre Brice bzw. Gojko Mitić – in reich mit Perlenbändern und Perlengürteln bestückter Tracht auf seinem Rappen durch die (jugoslawische) Prärie ritt, dann ging wohl ein kollektives „Hach“ durch die Wohnzimmer – diesseits und jenseits der innerdeutschen Grenze. Bei so viel Pathos dachte dann auch niemand an den Wahrheitsgehalt der Film-Geschichten in Anlehnung an Karl May, die lange unser Bild von den „Indianern“ prägten.  Heute wissen wir, dass Karl May nie zwar in Nordamerika war und auch gegen verbreitete Vorurteile anschrieb, dass es die „Indianer“ aber so nie gegeben hat,  die alle in Tipis lebten und Büffel sowie weiße Siedler jagten. Stattdessen war die Bevölkerung Nordamerikas schon vor dem Eintreffen neuer Siedler aus Europa grundverschieden in ihrer Lebens- und Siedlungspraxis. Und die Perlen und Perlenketten, die sogenannten Wampum, waren nicht einfach Schmuck und modisches Accessoire, sondern Wampum war vor allem eins: Geld.

In der Geldausstellung zeigen wir eine Wampumkette als Beispiel für Dinge, die Ware sind, aber auch Geldfunktion besitzen. Bei unserem Exponat – eine Leihgabe des Karl-May-Museums Radebeul – handelt es sich um eine Kette aus sechs zusammenhängenden Wampum-Schnüren, vermutlich irokesischer Herkunft. Im Unterschied zu Schmuckgürteln und -bändern, deren Muster Geschichten erzählen, waren es solche Schnüre, aber auch lose Perlen, die als Zahlungsmittel im Pelzhandel zirkulierten. Im Unterschied zu unserem heutigen Geld waren die Perlen allerdings nicht ausschließlich Zahlungsmittel, sondern kamen auch als Brautpreis, Grabbeilage, Ornament, Wetteinsatz, Wergeld oder Statussymbol zum Einsatz. Die ersten europäischen Kolonisten Neuenglands haben die vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten oft missverstanden.

William Bradford (1590-1657) – einer der „Pilgerväter“ an Bord der Mayflower, Mitgründer und späterer Gouverneur der Plymouth Colony – führte zwischen 1620 und 1651 ein umfangreiches Journal. Darin beschrieb er das Leben der Kolonisten und schilderte den Handel mit den indigenen Völkern der amerikanischen Nordostküste. Einige Jahre habe man zum gegenseitigen Vorteil allerlei Dinge miteinander getauscht. Dann aber entdeckten holländische Kaufleute die Bedeutung von Wampum und witterten den ganz großen Profit. Sie erkannten, dass sich mit diesen Perlen aus Meeresschnecken und Muscheln im Hinterland die begehrten Biberpelze erwerben ließen. Bis dahin verfügten lediglich einige Häuptlinge über Schmuckstücke, die mit Wampum verziert waren. Als die Holländer allerdings anfingen, massenhaft Wampum in Umlauf zu bringen, brach ein regelrechter Wampum-Rausch aus – „it may prove a drugg in time“, schrieb William Bradford. Europäer wie Bradford konnten nicht umhin, in den Perlen ‚Geld‘ zu sehen, an dem die Irokesen oder Huronen genauso hingen, wie die Europäer am Gold.

 

Johannes_Vermeer_kleint„Der Soldat und das lächelnde Mädchen“, Jan Vermeer 1658, Öl auf Leinwand, 49,2 cm × 44,4 cm (Wikipedia Commons).

 

Neuere Forschungen, etwa von Mario Schmidt, bezweifeln allerdings die angeblich irrationale Vorliebe der Irokesen oder Huronen für Wampum-Perlen. Schließlich schwankte der Wert des Wampum erheblich und hing offensichtlich nicht vom inneren Wert der Perlen ab, sondern vom Vertrauen in seine Tauschbarkeit. Das war solange gegeben, wie modebewusste Europäer – etwa der Soldat auf einem Gemälde von Jan Vermeer aus dem Jahr 1658 ABBILDUNG s.u. – bereit waren, nahezu jeden Preis für eine schicke Biberpelzmütze zu zahlen, bisweilen auch sein Leben, den höchsten Preis.

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2 Gedanken zu “#GELDausstellung – Wampum

  1. Jörg Streller schreibt:

    Einfach nochmal bei den Leihgebern nachfragen: Vielleicht hat ja dort tatsächlich noch jemand die Biographie des Namensgebers in groben Zügen im Kopf… 😀
    Ist übrigens sehr ungerecht, den Autor für irgendwelche Film- und Festspielnarreteien verantwortlich zu machen. 😉 Aber ich freue mich auf die Ausstellung, bin sicher mal da!

    • Doreen Mölders schreibt:

      Lieber Jörg, vielen Dank für den Hinweis und so einen Fehler kann man natürlich nicht stehen lassen. Ohne eine Expertin zu sein, aber die „Narreteien“ von Karl May sind meines Wissens auch nicht zu unterschätzen. Oder?
      Viele Grüße aus dem smac

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