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#Geldausstellung – Tulpenzwiebeln und die erste Spekulationsblase

von Eric Mertens und Doreen Mölders

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Die farbenprächtigen Tulpen (Tulpia) waren im 16./17. Jahrhundert ein Luxus- und Spekulationsobjekt (© smac).

Wie ein schönes Pflänzchen die Niederländer in den „Wahn“ trieb

Während wir in unseren Büros, ob im smac oder im Landesamt für Archäologie in Dresden, Exponate zur Geschichte des Geldes recherchieren, Ausstellungstexte verfassen und an der Gestaltung der GELDausstellung arbeiten, spielt sich draußen vor der Tür und auch im Innenhof des Landesamtes für Archäologie in Dresden (LfA) ein sehr vergängliches, nur wenige Wochen dauerndes Naturereignis ab: Die Frühjahrsblüte. Neben Hyazinthen, Primeln und Löwenzahn ragen auch Tulpen majestätisch empor.

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Frühling im Hof des Landesamtes für Archäologie Sachsen in Dresden (© smac).

Dieses Schauspiel ist keinesfalls selbstverständlich, denn Tulpen (Tulipa) sind eigentlich im südöstlichen Mittelmeerraum heimisch. Erst in der Mitte des 16. Jahrhundert brachten Händler die ersten Tulpen nach Zentraleuropa. Ihre Exklusivität und Schönheit lösten beim Bürgertum Begehren aus und die Tulpen erfreuten sich bald großer Beliebtheit.  Da die Tulpe klimabedingt recht krankheitsanfällig war und ihre effektive Vermehrung nur über Tochterzwiebeln erfolgen konnte, blieb ihre Anzahl in der kultivierten Zucht jedoch begrenzt. Besonders selten waren Tulpen mit mehrfarbig gemusterten Blütenblättern. Versuche, diese gezielt zu züchten, schlugen häufig fehl. Man erkannte in jener Zeit nicht, dass die Musterung durch den von Blattläusen übertragenen Tulpenmosaikvirus hervorgerufen wurde, der an Tochterzwiebeln übertragen werden kann.

In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts entwickelte sich die Tulpenliebhaberei zu einem spekulativen Geschäft. Zunehmend fanden sich Händler, die weniger am Produkt als vielmehr an der Gewinnchance Interesse hatten, auf den sogenannten Spotmärkten ein. Ergebnis war, dass sowohl Nachfrage als auch Preise immer weiter stiegen. Der Handel ließ sich nicht mehr auf die Pflanzzeit beschränken, so dass zunehmend auch Tulpenzwiebeln verkauft wurden, die noch im Boden weilten. Um den Käufern dennoch einen Eindruck vom Aussehen der Tulpen vermitteln zu können, wurden Kupferstiche und Aquarelle angefertigt, die die Blüte und den Namen zeigten. Ein bekanntes Beispiel sind die Kupferstiche von Emanuel Sweerts aus dem Jahr 1612.

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Emanuel Sweerts, Florilegium, Kupferstich von 1612 (© SLUB Dresden / Deutsche Fotothek / Regine Richter).

Den Höhepunkt erreichte die  Tulpenzwiebelspekulation zu Beginn des Jahres 1637: Für eine einzige Blumenzwiebel wurden Preise bis zu 10.000 Gulden verlangt. So hatte eine kleine Zwiebel, die in ihrem Inneren das Potential zu einem zarten Pflänzchen trug, im Februar 1637 den Gegenwert eines Stadthauses in Amsterdam. Diese Unverhältnismäßigkeit führte wahrscheinlich zum abrupten Ende der Spekulationen: niemand wollte (oder konnte) mehr derart aberwitzige Preise zahlen. Es kam zu einem rapiden Preisverfall. Die erste geschichtlich gut überlieferte Spekulationsblase platzte. In der Folge war jeder bemüht, seine Zwiebeln möglichst schnell und verlustarm zu verkaufen. Das Vertrauen in den Markt, den Handel und die Zahlungssicherheit war erstmals erschüttert. Die Liebe zu den Tulpen aber blieb bis heute.

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