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Reis gut, alles gut!

von Desirée Wocilka

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Verschiedene Reissorten in der Ausstellung „Schätze der Archäologie Vietnams“ im smac. © smac | Mark Frost

„Lieber nach Reis hungern, als satt von Gemüse sein!“ oder „Wer drei Schüsseln Reis und drei Hemden besitzt, wird niemals hungern und frieren.“ sind Aussagen, die man bislang oft in Asien hört. Heutzutage zählt Reis jedoch nicht nur in Asien zu einer der wichtigsten Grundnahrungsmittel, sondern wird auf der ganzen Welt gegessen. Jährlich werden weltweit mehr als 600.000.000t Reis geerntet. Die Tendenz bleibt steigend, denn für 60% der Menschen ist Reis das Hauptnahrungsmittel.

Die ältesten Belege für Reisanbau kennen wir aus Ausgrabungen im Yangtze-Delta in Südchina, bei denen Reiskörner und Spelzen aus der Zeit um 5000 v. Chr. entdeckt worden sind. Aufgrund solcher Funde gilt als Ursprungsgebiet von Reis Südchina und der östliche Teil des alten Indiens. Die Verbreitung dieser Nutzpflanze fand später über Ägypten statt. Ab dem 15. Jahrhundert erreicht es auch die Po-Ebene im italienischen Piemont. Und heute gilt Italien als größter Reisproduzent Europas.

Die Reispflanze (Oryza sativa) gehört zu den einjährigen Gräserarten und muss dementsprechend nach jeder Saison neu angepflanzt werden. Anfangs wurde sie auf trockenem Boden kultiviert, doch durch Züchtung bildete sie sich zu einer Sumpfpflanze fort. Die Pflanze kann eine Größe von 50-160 cm besitzen und trägt eine schmale überhängende Rispe, die mehrere tausend Körner Reis enthält. Das Reiskorn besteht aus einem Keimling, dem Mehlkörper, dem Silberhäutchen und der Deckspelze. Ist das Silberhäutchen noch dran, ist der Reis besonders reich an Mineralien und Nährstoffen. Wird es entfernt und der Reis danach poliert, erscheint das weiße Korn.

Im Grunde unterscheiden wir drei Reissorten: Langkorn- (z.B. Basmatireis, Jasminreis), Mittelkorn- (z.B. Schwarzer Reis, Mochi-Reis) und Rundkornreis (z.B. Risottoreis, Milchreis). Weltweit gibt es aber wahrscheinlich mehr als 100.000 verschiedene Sorten.

Die Anbaumethoden von Reis sind unterschiedlich: In großen Teilen Asiens wird der Reis noch von Hand angepflanzt und geerntet, während in den westlichen Ländern sowohl die Aussaat als auch die Ernte mittlerweile maschinell erfolgt. Weit verbreitet und bekannt ist die Methode des Nassreisanbaus. Dafür werden pro Kilogramm Reis zwischen 3000 und 5000 Liter fließendes Wasser benötigt. Der Nassreisanbau ist also sehr platz- und arbeitsintensiv, ermöglicht aber auch große Erträge.

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Reisfelder in Vietnam. @ Stefan Leenen

Seit einigen Jahren forschen Wissenschaftler im Bereich des Vertical Farming. Dabei suchen sie nach Lösungen, Reis in Hochhäusern in den Metropolen dieser Welt anzubauen.

Aus Reis können unterschiedlichste Lebensmittel hergestellt werden: Zum Beispiel Reiswein, Reisnudeln, Reismehl oder Reispapierblätter. Reisstärke findet nicht nur in der Lebensmittelindustrie Verwendung, sie wird auch als Pudergrundlage in der Kosmetik eingesetzt und dient als Appretur in der Textilindustrie. Aus Reiskeimen gewinnt man Fett für die Herstellung von Kerzen und Seifen. Das Reisstroh ist wegen seiner Feinheit und Festigkeit von größerer Bedeutung. Es dient als Flechtmaterial für Säcke und Matten.

 

In zahlreichen Ländern besitzt Reis auch eine zentrale kulturelle Bedeutung. In mehreren asiatischen Sprachen bedeutet das Wort „Reis“ gleichzeitig „Essen“ oder „Mahlzeit“. In einigen Regionen Asiens wird Reis bis heute als Währung eingesetzt. Der Reis steht nicht nur in Asien für eine glückliche und kinderreiche Zukunft: In Deutschland wird das Brautpaar nach der Trauung mit Reiskörnern beworfen.

Hochzeit Reis

Das Brautpaar mit Reis bewerfen soll das Paar segnen und Glück wünschen.

Die vielfältige Verwendung von Reis und sein Ruf als gesundes Nahrungsmittel werden in naher Zukunft dazu führen, dass die Reisproduktion weiter steigen wird. Die Felder wiederum erschöpfen sich gleichermaßen. D. h. wir werden wohl schon bald von den hängenden Reisgärten in Hongkong, Shanghai, Peking, Rom oder New York lesen.  Ob sich das Vertical Farming in einigen Hundert Jahren dann noch archäologisch nachweisen lässt? Wer weiß. Spannend ist es allemal.

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