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Advent Advent #2

Vom 24.11.2017 bis zum 07.01.2018 zeigt das smac nun schon zum zweiten Mal in einer Foyerausstellung  Adventskalender. Dieses Mal dürfen unsere Besucher ihr Wissen über sächsische Motive und Orte unter Beweis stellen. Alle Hinweise auf den Kalendern wurden entfernt und können hinter den Türchen unseres Schocken-Kalenders  entdeckt werden.

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Blick in die Ausstellung | Foto © smac Annelie Blasko

Das Aufstellen eines Adventskalenders gehört zu den geläufigsten Vorweihnachtsbräuchen vor allem im deutschsprachigen Raum. Vorläufer dieses Brauchs sind bereits vor der Mitte des 19. Jahrhunderts nachweisbar. Doch erst mit dem Druck kommerzieller Adventskalender im 20. Jahrhundert bekommt die Sitte ihre heutige Verbreitung. Unsere Ausstellung mit Kalendern der Sammlung Wagner gibt einen kleinen Eindruck in die Vielfalt der Produkte, die bis heute zwischen Kommerz, religiöser Erziehung und Spaßkultur pendeln.

Als Advent werden im Kirchenjahr die vier Sonntage vor Weihnachten bezeichnet, „Advent“ ist Latein für „Ankunft“ und bezieht sich auf die Geburt Christi an Weihnachten. Um Kindern diese Zeit zu verkürzen, vor allem aber, um Ihnen die christliche Heilsgeschichte näher zu bringen, denken sich Eltern und Pädagogen im 19. Jahrhundert verschiedene Vorformen von Adventskalendern aus. In katholischen Landen wurde jeden Tag ein Strohhalm in eine Krippe gelegt, anderswo wurde täglich ein Kreidestrich an eine Tür gemalt, eine Kerbe in ein Holz geschnitzt oder es wurde jeden Tag ein Bild mit einer biblischen Szene aufgehängt. Auch Kalender, auf die Gebäckstücke aufgenäht wurden, von denen täglich eines abgeschnitten werden durfte, sind bereits für das 19. Jahrhundert überliefert. Pastor Johann Hinrich Wichern ließ Im Rauhen Haus, dem von ihm gegründeten Hamburger Waisenheim, einen kranzförmigen Kerzenleuchter aufhängen. Auf diesem gab es eine Kerze für jeden Dezembertag und vier große für die Sonntage.

Als erster gedruckter Adventskalender gilt ein von Gerhard Lang in München 1908 herausgegebener „Weihnachts-Kalender“. Aus einem zweiten Bogen konnten 24 Bilder ausgeschnitten und Tag für Tag auf den Kalender aufgeklebt werden. Über Abreißkalender, Advents-„Uhren“ mit drehbarem Zeiger und teils recht raffiniert gestaltete Versionen mit Ziehfiguren entstand dann um 1920 der Adventskalender mit Türchen und hinterklebten Bildern. Wenig später erschien der erste mit Schokoladenstückchen gefüllte Kalender, ebenfalls im Verlag von Gerhard Lang.

Heute ist die Vielfalt der Adventskalender, nicht zuletzt durch die Möglichkeiten des Digitaldrucks, unübersehbar geworden. Viele werden zu Werbezwecken hergestellt, aber auch selbstgemachte (oder zumindest selbstgefüllte) Kalender sind populär. Christliche Motive sind durchaus noch zu finden, es gibt aber auch Beispiele ohne jeden inhaltlichen Zusammenhang mit Weihnachten.

Die Sammlung Wagner, Würzburg/Dresden

Es fing an im Jahr 1946, als die Kollegen für einen Adventskalender im Büro zusammenlegten: Barbara Wagner wollte das gute Stück nach Weihnachten nicht wegwerfen. Schnell wuchs die Sammlung. Gesammelt wird dabei nicht nach wissenschaftlichen Kriterien sondern aus „Freude an Weihnachtssachen“. Tochter Gabriele, seit 1993 in Dresden beim Landesamt für Archäologie beschäftigt, führt das Werk weiter und ihre alljährlichen Aufrufe zur Abgabe der heimischen Adventskalender gehören zum Jahresanfang dazu wie die gestrichenen Überstunden in der Arbeitszeitabrechnung. Der Sammlungsbestand umfasst mittlerweile mehr als 2000 Kalender.

Die zweite Adventskalender-Ausstellung aus der Sammlung Wagner nimmt sich sächsischer Orte an. Marktplätze, markante Gebäude und Stadtsilhouetten finden sich auf den zum Teil sehr aufwändig gestalteten Stücken. Sie sind nicht nur Ausdruck einer gelungenen Marketingmaßnahme, sondern verkörpern auch die Heimatverbundenheit der Hersteller. Denn oft sind es nicht die Kommunen oder Kunstverlage, die Adventskalender mit Ortsansichten in Auftrag geben, sondern ansässige Firmen oder auch Vereine, die ihre Gründungs- und Erfolgsgeschichte mit dem Ort in Verbindung bringen.

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Hinter den Fenstern des smac finden Sie die Ausflösung (links) | Exponat 24 (rechts)

Fotos © smac Annelie Blasko

Jens Beutmann

Redaktion: Annelie Blasko

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