Zurück

5 Fragen an: Dr. Bettina Jungklaus

Unsere Schülerpraktikantin Hannah Arnold hat an unserem Anthropologie-Workshop im smac teilgenommen und für unseren Blog ein kleines Interview geführt. Hier kommen Hannahs 5 Fragen an: Dr. Bettina Jungklaus, Anthropologin.

Dr. Bettina Jungklaus

Dr. Bettina Jungklaus | © smac, Jutta Böhme

 

Dr. Bettina Jungklaus ist seit 23 Jahren freiberufliche Anthropologin, spezialisiert auf Osteoanthropologie und Ausgrabungen. Hier im smac veranstaltet sie zur Zeit Anthropologie-Workshops für Erwachsene und Kinder.

  1. Warum sind Sie Anthropologin geworden?

Ich habe Biologie studiert und wollte eigentlich in eine ganz andere Richtung gehen. Als ich angefangen habe zu studieren, wollte ich mich auf Ökologie und Umweltschutz spezialisieren, weil ich dachte, es sei sinnvoll, sich für die Umwelt zu engagieren. Und dann hatte ich während meines Studiums einen Professor kennen gelernt, der Anthropologie gelehrt hat. Ich habe dann auch meine Abschlussarbeit in diesem Bereich geschrieben. Ich habe Skelette untersucht und fand das alles so spannend, dass ich an der Anthropologie drangeblieben bin.

  1. Was sind Ihre Aufgaben als Anthropologin?

Also ich mache ja einen bestimmten Teil der Anthropologie, nämlich die sogenannte Osteoanthropologie. Ich untersuche Skelette, die bei archäologischen Grabungen gefunden werden, auf das Geschlecht und das Sterbealter, ich rekonstruiere die Körperhöhe, schaue mir Krankheiten an. Im Endeffekt liegt mein Interesse darin, zu rekonstruieren, wie Menschen in früheren Zeiten gelebt haben.

  1. War es am Anfang eklig für Sie, Knochen von Menschen anzufassen?

Nein, überhaupt nicht. *lacht* Das kann ich ganz klar beantworten.

  1. Was war Ihr bisher spannendster Fall?

Ich mach das hier inzwischen schon ziemlich lange, deshalb habe ich schon viele spannende Fälle gehabt. Einzigartig und daher aufregend war für mich z.B. die Untersuchung des ältesten Skeletts Brandenburgs aus der Mittelsteinzeit, was 8400 Jahre alt ist1. Oder der Mord an Johann Wengemeyer2, in Annaberg, das war auch sehr spannend.

  1. Ich habe schon oft auf Wanderungen Knochen und sogar ganze Tierschädel gefunden, war mir aber nie sicher, was ich da in meinen Händen hielt. Haben Sie einen Tipp für Laien, um die Knochen näher zu bestimmen?

Wenn man im Wald Knochen findet, dann denke ich, ist es ganz gut, die jemandem zu zeigen. Man kann in Museen gehen und dort die Knochen bestimmen lassen. Ich habe mir auch schon Knochen angeschaut, die jemand im Garten gefunden hat. Es gibt aber auch Bücher, mit denen man Knochen bestimmen kann. Meist sind es wirklich Tierknochen, von Tieren, die im Wald gestorben sind. Im Garten findet man wahrscheinlich eher Nutztiere aus früheren Zeiten. Dass da Menschenknochen dabei sind, ist eigentlich eher selten.

Anthropologie1801

Einblick in den Workshop – Skelettteile richtig zusammensetzen | © smac, Jutta Böhme

    1 Vor ca. 50 Jahren wurde nördlich von Berlin ein ca. 8400 Jahre alter Friedhof freigelegt. Vor ein paar Jahren begannen erneute Ausgrabungen, an denen auch Bettina Jungklaus teilnahm. Unter anderem wurde ein Säuglingsgrab gefunden, laut Franz Schopper (Brandenburger Landesarchäologe) „die frühste bisher bekannte Kinder-Bestattung in Mitteleuropa“.

2 Bei Ausgrabungen in einem ehemaligen Franziskanerkloster in Annaberg-Buchholz entdeckten die Archäologen ein Skelett mit auffallenden Verletzungen am Schädel. Nach Analysen von Bettina Jungklaus handelte es sich dabei ganz klar um einen älteren Mann, der von hinten mit einer Axt erschlagen wurde. Der historische Kontext lieferte die weiteren Fakten: bei dem Skelett handelte es sich um den reichen Kaufmann Johann Wegemeyer, der wegen Urkundenfälschung von 2 Auftragskillern umgebracht wurde.

Quellen:

http://www.zeit.de/wissen/geschichte/2016-02/brandenburg-friedhof-grabungen-gross-fredenwalde-entdeckung

https://www.sachsen-fernsehen.de/tag/johann-wengemeyer/

Zurück

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden .