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Kulturgeschichte aus dem 3D-Drucker

Rückblick: An einem verschneiten Februartag machen wir uns auf in das noch verschneitere Schneeberg (da war der Name tatsächlich mal Programm). Es ist Prüfungstag für die Studenten an der Westsächsischen Hochschule Zwickau. Sie alle haben am  Modul „Grundlagen dreidimensionaler Gestaltung“ teilgenommen und stellen heute ihre Ergebnisse vor. In einem Unterrichtsraum sind zahlreiche Plakate an den Wänden befestigt, davor steht jeweils ein hölzerner Sockel.

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Studentin Hannah Kaplan (links) erklärt ihre Objekte im Gespräch mit Dr. Doreen Mölders aus dem smac | Foto: © smac, Annelie Blasko

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Plakat mit Fotos der Originalobjekte aus dem smac und den Skizzen der Formentwürfe von Sophie Schramek | Foto: © smac, Annelie Blasko

Was sich auf diesen Sockeln befindet, hat eine lange gedankliche Reise und intensive gestalterische Auseinandersetzung hinter sich, denn die Studenten waren zu Beginn des Semesters zu Besuch im smac. Inspiriert von selbst gewählten Objekten der Dauerausstellung haben sie Formen analysiert, modifiziert und weiterentwickelt, um daraus eigene Objekte zu gestalten. Was sie präsentieren, sind ihre Prüfungsleistungen. Einzeln stellen sie die Objekte vor sowie die Ideen und Gedankengänge, aber auch etwaige Schwierigkeiten bei der Umsetzung. Wir sind gespannt.

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Student Robert Bochmann erklärt den Gestaltungsprozess | Foto: © smac, Annelie Blasko

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Entwurf: David Mantilla Mejia | Foto: © smac, Annelie Blasko

Bereits nach den ersten Objekten wird uns klar, wie spannend diese Verbindung von alten Kulturobjekten und neuen Technologien und Ideen ist. Obwohl die Studenten alle zum Studiengang Gestaltung gehören, haben sie verschiedene Richtungen gewählt: Holzgestaltung, Modedesign und Textilkunst/Textildesign. Diese Vielfalt begegnet uns in den Ergebnissen immer wieder.

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Objekt: Samantha Ortschig (Textildesign/Textilkunst) | Foto: © smac, Annelie Blasko

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Lena Spohn studiert Holzgestaltung | Foto: © smac, Annelie Blasko

Ihre Objekte sind nicht einfach nachempfundene Amphoren, Kelche oder Schalen, hergestellt mit moderner Technik. Viele Objekte spielen mit den handwerklichen Techniken einer anderen Zeit, wenn etwa ein zweiteiliges Gefäß mit Schnüre verbunden oder ein anderes mit einem Holzanteil im Filament (statt der reinen Kunststoffzusammensetzung) gedruckt wird. So kommt aus dem Drucker absolut kein fertiges Gebrauchs- oder Kunstobjekt; es wird weiterbearbeitet, geschliffen, beflockt oder vernäht. Auch die Funktionalität der Ausgangsstücke spielt eine Rolle im Gestaltungsprozess. Wie dünn kann oder darf die Außenwand einer Amphore sein, bevor sie so fragil wird, dass sie nicht mehr von Nutzen ist? Einige Studenten berichten auch vom Scheitern; das fertige Stück war nicht stabil genug, zerbrach. Auch vor Tausenden von Jahren ging es uns so.

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Hannah Kaplan hat mit der Wandstärke ihres Objektes experimentiert und so eine besonders fragile Haptik und Optik erreicht | Foto: © smac, Annelie Blasko

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Entwurf: Julia Peter | Foto: © smac, Annelie Blasko

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Irina Balabkina studiertTextilgestaltung, sie hat ihr Objekt innen beflockt | Foto: © smac, Annelie Blasko

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Rico Denninger studiert Holzgestaltung, er hat besonders weiche Konturen durch mehrfaches Schleifen erreicht | Foto: © Ines Bruhn

Einen ganz anderen Zugang hat Studentin Mara Friebe gewählt. Sie hat sich nicht von einem Gefäß inspirieren lassen, sondern von Knochenfunden, die wir in der Alltagswand in der 3. Etage zeigen. Ihr Objekt orientiert sich im Schnitt an einem Beckenknochen und erinnert auch bei der Struktur an das menschliche Knochengewebe. Von der erfolgreichen Umsetzung mittels Drucker war sie selbst überrascht und ist umso glücklicher bei der Präsentation.

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Entwurf: Mara Friebe| Foto: © Ines Bruhn

Nach 12 vorgestellten Objekten sind wir fasziniert und ein bisschen traurig, dass wir schon nach Chemnitz zurück fahren müssen, denn die zweite Hälfte der Präsentationen werden wir verpassen. Umso glücklicher sind wir, dass wir die Ergebnisse der Studenten im Dezember 2018 im smac zeigen werden; in einer eigenen kleinen Ausstellung. Zuvor werden einige der Objekte auf dem Maker Faire in der Stadthalle Chemnitz am 14./15. April zu sehen sein.

Herzlichen Dank an Frau Prof. Bruhn für die Zusammenarbeit am Artikel und die Möglichkeit, die Studenten und ihre Arbeiten kennenzulernen. Mehr Informationen zum beschriebenen Studiengang gibt es hier.

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Ein Gedanke zu “Kulturgeschichte aus dem 3D-Drucker

  1. Joel schreibt:

    Ein ganz neuer Ansatz für 3D Druck, der mir aber sehr gut gefällt. Ich hätte garnich gedacht, dass man 3D Drucker mit Kultur in Verbindung bringen kann, aber da habe ich mich wohl geirrt. Ein gutes Beispiel für die Vielseitigkeit eines 3D Druckers.
    Mit freundlichen Grüßen
    Joel von 3D Drucker Geschichte

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