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Tod & Ritual – eine Nachlese

Hannah_Lindner

Praktikantin Hannah | ©smac, Annelie Blasko

Unsere Schülerpraktikantin Hannah Lindner hat ihr zweiwöchiges Praktikum in einer der heißesten Phasen des Jahres im Museum verbracht, denn parallel ging die Sonderausstellung Tod & Ritual zu Ende. Das bedeutet: Kuriere, Verpackungen und Termine überall. Es wird fleißig abgebaut und ausgewertet. Deswegen hat sie sich für unseren Blog das Gästebuch zur Sonderausstellung mal ganz genau angeschaut und eine kleine Nachlese vorbereitet.

Die eigene Wahrnehmung ist immer subjektiv. Egal was wir tun oder lassen, ob wir es gemeinsam oder allein erleben. Jeder Mensch macht also nicht nur individuelle Erfahrungen und Erlebnisse, sondern nimmt und verarbeitet diese dann auf seine eigene Art und Weise. So ist es auch, wenn wir ein Museum besichtigen. Doch warum besuchen wir eine solche kulturelle Einrichtung? Wir wollen uns bilden, wollen Erkenntnisse erlangen oder auch bereits vorhandenes Wissen erweitern. Deshalb lesen wir in Ausstellungen wissbegierig Texte über längst vergangene Zeiten, informieren uns über Menschen und Geschehnisse, die vor Hunderten oder gar Tausenden von Jahren relevant waren und betrachten fasziniert sowohl Exponate als auch Bilder.

Fragewand

An dieser Wand am Ende der Sonderausstellung sind unsere Besucher zu Wort gekommen | © smac, Annelie Blasko

Heraus gehen wir meist mit neuen Eindrücken, vielen interessanten Gedanken, die uns nun im Kopf umherschwirren und etwas ganz Persönlichem: unserer eigenen Meinung über das, was wir zuvor aufgenommen haben. Diese Meinung können wir nun für uns behalten, aber auch mit anderen Mitmenschen über die Ausstellung reflektieren oder als Rückmeldung an das Museum, beispielsweise durch das Gästebuch, geben. Die letzte Möglichkeit ist besonders für die Kuratoren, die Macher der Ausstellung hinter den Kulissen interessant. Denn diese Rückmeldung zeigt die Eindrücke, Erwartungen und Gefühle, die durch die Ausstellung in den Köpfen der Menschen  hervorgerufen werden. Denn bei der Planung einer solchen Ausstellung kann man nie davon ausgehen, dass der Wissensstand und die Interessen aller potentiellen Besucher gleich sind, das spiegelt sich auch jedes Mal aufs Neue in den Gästebüchern wieder.

Gaestebuch

Blick in unser Gästebuch | ©smac, Annelie Blasko

So auch in der Sonderausstellung  „Tod & Ritual“ im SMAC. Einig sind sich alle Besucher besonders in einer Sache nämlich, dass dies hier eine sehr gelungene Aufbereitung des „Tabuthemas“ Tod ist. Denn „der Tod“ sei das, worüber keiner spricht und das trotzdem unausweichlich ist. Dass dies eine sehr informative und abwechslungsreiche Ausstellung sei, steht ebenfalls nicht zur Debatte. Doch schon beim Umfang scheiden sich die Geister, was für den einen schon zu viel Information  zum Gräberfeld von Niederkaina ist „1000 Gefäße, wenig Abwechslung und wieder 1000 Gefäße! Schnell raus hier!“, kann für den anderen gerade nicht genug sein „Irgendwie zu wenig, schade L“.
Ebenso bei den Exponaten: zum einen zeigt sich Lob an deren Vielfalt und der Einzigartigkeit, zum anderen ist es eben auch nur die 1000 Urne unter vielen weiteren. Vermehrt zeigt sich auch Kritik an der Raumtemperatur: ein eisiger Wind streiche durch die Gänge und man habe das Gefühl „vom Tod geküsst zu werden“. Doch bei Betrachtung der vielen Exponate, erklärt sich auch das kühle Klima in den Räumen von selbst.

 

Bilderwand

Auch gezeichnet haben unsere Besucher für uns – wie sie sich das Jenseits vorstellen | © smac, Annelie Blasko

Sehr beliebt ist es natürlich auch immer, wenn man sich als Besucher selbst betätigen kann, in diesem Falle im letzten Raum der Ausstellung, an der „Jenseitswand“, dort kann man seine Vorstellungen zur eigenen Bestattung und Beerdigungszeremonie festhalten. So finden sich dort ironische Zitate wie beispielsweise „Wenn ich einmal tot wär‘, wär’s auch endlich mal egal, wie viel Akku ich noch hab.“
Aber zum Teil tauchen neben utopischen Ideen zur eigenen Bestattung wie zum Beispiel auf dem Mond, eben auch Musikstücke und Gedichte zum Beispiel „John Maynard“  auf, die bei der eigenen Beerdigung vorgetragen werden sollen. Zu Rückmeldungen durch das Gästebuch gehören zudem auch Vorschläge, die die Besucher einbringen wollen. Dazu zählen nicht nur Wünsche, wie etwa „bitte, bitte mehr Informationen zu Mumien“ oder die Ausstellung noch umfangreicher zu gestalten, sondern eben auch die Bitte, den Stift für das Gästebuch mittig anzubringen, damit auch Linkshänder bequem Eintragungen vornehmen können.

Doch wenn man durch die Seiten des Gästebuches blättert, springt garantiert jedem sofort das immense Lob ins Auge, welches die unzähligen Besucher nach der Ausstellung äußern. Wie beispielsweise, dass sich „die grandiose Ausstellung „Tod & Ritual“ mit gutem Gewissen in die Reihe der fantastischen Sonderausstellungen des SMAC einordnen lässt“ ebenso wie „ein großes Lob an die Macher der Ausstellung“ und „Beifall für so eine tolle Führung“. Abschließend lässt sich sagen, dass die Besucher dankbar dafür sind, dass diese Ausstellung sowohl zum Nachdenken als auch zum Weiterdenken über das komplexe Thema Tod anspornt.

Hannah Lindner

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