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Tagung | Diversität in der Archäologie

© smac, Annelie Blasko

Vom 15. – 17.05. 2019 fand in unserem Haus die Tagung “Diversität in der Archäologie: erforschen, ausstellen, vermitteln” statt.

Museumsmacher und Forscher haben gemeinsam in drei verschiedenen Themenblöcken zentrale Fragen für ein diverses Museum der Zukunft verhandelt, immer auch mit Blick auf die Vergangenheit musealer Beschreibung von diversen Gesellschaften. Warum diese Tagung?

Am 01. Juni 2018 startete im Staatlichen Museum für Archäologie Chemnitz das Projekt „Change the smac“. Gefördert wird dies im Rahmen des Programms „360° – Fonds für Kulturen der neuen Stadtgesellschaft“ der Kulturstiftung des Bundes. Ziele des Projekts sind u.a. Veränderungsprozesse innerhalb des Themenfelds kulturelle Vielfalt im Museum anzustoßen und Ausschlussmechanismen zu reduzieren.

Aus diesem Prozess heraus sollen dann Einflüsse auf den Diskurs über Diversität innerhalb der Stadtgesellschaft ausgehen. Dies möchte das smac über an den Inhalten des Hauses orientierten Veranstaltungen erreichen.
Mit der Tagung „Diversität in der Archäologie: erforschen, ausstellen, vermitteln“ sollten die wissenschaftlichen Grundlagen der zukünftigen programmatischen Arbeit des smac beleuchtet, kritisch hinterfragt sowie Chancen und Grenzen aufgezeigt werden.
Themen wie Ethnos, Migration und interkultureller Kontakt werden seit langem in der Archäologie diskutiert. Seit den 1990er Jahren spielt der Begriff „Identität“ eine zunehmende Rolle. Im ersten Teil der Tagung ging es um die Fragen: Wie ist der Forschungsstand, welche Positionen gibt es und welche Forschungspotenziale sind in der Zukunft zu erwarten?

Im zweiten Teil ging es dann um das Kuratieren: Wie geht man bislang mit dem Thema herkunftsbezogene Diversität in einer Ausstellung um, was dürfen und können Kurator*innen ausstellen, soll/muss sich etwas ändern?

Der dritte Teil der Tagung widmete sich der museumspädagogischen Frage, wie wir die Inhalte an unsere Besucher*innen vermitteln können und welche Konzepte sich eignen, um möglichst weite Teile der Gesellschaft anzusprechen.

Das Tagungsprogramm im Detail:

Block 1: erforschen

Ulrich Veit | Universität Leipzig
Digging for Diversity? | Über die gesellschaftliche Dimension archäologischer Forschung

Roland Prien | Universität Heidelberg
Völker – Wanderungen. Vom schwierigen Umgang mit Migration und Ethnos in der Archäologie

Elke Kaiser | Freie Universität Berlin
Migrationen von Ost nach West. Die Archäologie von Wanderungsbewegungen im 3. Jahrtausend v. Chr.

Thomas Westphalen | Landesamt für Archäologie Sachsen
Blick in eine dunkle Epoche – Das slawische Mittelalter in Sachsen

Stephan Schiffels | Max Planck Institut für Menschheitsgeschichte, Jena
Was uns Genome über Menschheitsgeschichte erzählen – Neue Erkenntnisse aus ancient DNA

Weiterführende Informationen zum Vortrag:

“Forschungsbeiträge zu diesem Thema setzen in Europa an zwei Punkten an: Zunächst haben wir die in Nordost-Europe besonderen genetischen Profile der Saami und Finnen analysiert, auch mit Hilfe alter, bis zu 3500 Jahre alter Funde aus Finnland und Russland. Diese Studie (Lamnidis et al. 2018, Nature Communications) führte uns zu einer genetischen Komponente die auf eine Einwanderung vor etwa 4000 Jahren aus Nordost-Asien nach Europa schließen lässt. Zweitens haben wir 2016 eine Studie zum frühen Mittelalter in England veröffentlicht, in der wir erstmals direkt nachweisen konnten, dass die kulturellen Umbrüche in England aus dieser Zeit zumindest zu einem substantiellen Teil durch Einwanderungen von Menschen skandinavischer und kontinentaleuropäischer Herkunft begleitet wurden.”

Homepage: www.stephanschiffels.de
Studie Lamnidis et al. 2018: https://www.nature.com/articles/s41467-018-07483-5
Studie Schiffels et al. 2016: https://www.nature.com/articles/ncomms10408 Blog Post zur letzteren Studie:
https://medium.com/stephan-schiffels/how-rare-genetic-mutations-help-us-understand-human-history-part-i-19895ec4d87a


Felix Wiedemann | Freie Universität Berlin
Ursprung, Untergang und Mischung: Migrationsnarrative in den Altertumswissenschaften des 19. und frühen 20. Jahrhunderts

Die Tagungsgruppe des ersten Tages | © smac, Annelie Blasko

Block 2: ausstellen

Nanette Snoep | Rautenstrauch-Joest-Museum, Köln
Welche Gebrauchsanleitung für das Museum der Zukunft?

Matthias Wemhoff | Landesarchäologie Berlin / Museum für Vor- und Frühgeschichte Berlin
Zwischen „Bewegte Zeiten“ und „Germanen“. Ausstellungen im Spannungsfeld von Wissenschaft und aktuellem Diskurs

Carina Bammesberger | Stiftung Neanderthal Museum, Mettmann
Die Menschenfamilie ausstellen und vermitteln

Uta Halle | Landesarchäologie Bremen / Universität Bremen
Mit Spatenforschung, Runenrätseln und Lurenklang. „Germanische“ Identität in Politik und Wissenschaft im Dritten Reich

Mechtild Freudenberg | Archäologisches Landesmuseum der
Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf

Masterplan Schloss Gottorf – Aufbruch in die Zukunft der Landesmuseen

Doreen Mölders |LWL-Museum für Archäologie, Westfälisches Landesmuseum, Herne
Heraus aus der regionalen Blase. Potentiale archäologischer Landesmuseen in zunehmend diversen Gesellschaften

Joachim Baur | Die Exponauten, Berlin
Überlagerungen. Migration, Museum, Gegenwart

Block 3: vermitteln

Heike Greschke | Technische Universität Dresden
Was heißt Diversitätskompetenz? Überlegungen zum Verhältnis von
kultureller Differenz und sozialer Ungleichheit und daraus resultierende
Anforderungen an Institutionen der Migrationsgesellschaft

Thomas Renz | Kulturring Peine e.V.
Milieuzugehörigkeit sticht Migrationshintergrund. Mit neuen Programmen ein diverses Publikum ansprechen.

Henriette Baron, Fadia Abou Sekeh | Römisch-Germanisches Zentralmuseum & Leibniz-Forschungsinstitut für Archäologie, Mainz
„Ein Stück Heimat“ – Diskurse über einen umstrittenen Begriff im archäologischen Museum

Türkân Kanbıçak | Jüdisches Museum Frankfurt
AntiAnti – Museum Goes School und Wahrheiten & Narrheiten
Theaterworkshop. Zwei innovative Outreachformate des Jüdischen Museums Frankfurt

Claudia Elsner, Rouven Elißer | Landesamt für Schule und Bildung, Sachsen
Vorbereitungsklassen und Museen

Daniel Neugebauer | Haus der Kulturen der Welt, Berlin
Körperleskunde als Vermittlungsmethodik?

Blick in die Tagung | © smac, Annelie Blasko

Inhalte und Diskussionen sind auf Twitter unter dem Hashtag #DivArch19 gesammelt.


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