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#ArchaeoSwap 2019

Anlässlich des #ArchäoSwap 2019 übernehmen wir, vom Kaiserpfalzmuseum in Paderborn die Kanäle des smac. Wie passend! Warum das so passend ist? Dafür gibt es verschiedene Gründe. Einer davon wird noch nicht verraten – um darüber mehr zu erfahren sollte man einfach die Kanäle von uns verfolgen. Doch über den anderen freue ich mich besonders: Ich kann als hierher „gewanderte“ Sächsin aus Paderborn nach Chemnitz winken! (Und durch die Chemnitzer Kanäle zurück nach Paderborn – verrückt [und verwirrend])

Damit habe auch ich einen kleinen Klimawandel durchlebt. Denn hier, in Westfalen, kann einem durchaus ein Fasan in freier Wildbahn über den Weg laufen, während es ihnen in Sachsen einfach zu kalt ist. Wenn ich Nachrichten über Wetterkapriolen aus der Heimat höre und sage „In Paderborn hat es bereits geregnet“, weiß mein Vater zu berichten „In Nordrhein-Westfalen ist jedes Wetter früher.“

In Anbetracht von Hitzewellen wie der vergangenen 2018 und der befürchteten 2019, bietet das Museum in der Kaiserpfalz Zuflucht im sagenumwobenen Quellkeller. Im Untergrund der ottonischen Pfalz entspringt eine der über 200 Quellen des nur etwa 4 km langen Flusses. Der alte Slogan der Stadt „Leben an den Quellen“ hatte also nicht nur einen schönen Klang. Daher mag man denken, dass in Paderborn keine Sorge um Wasser entstehen kann. Dennoch nahm auch im Quellkeller der Pegel im Sommer 2018 10 cm ab. So war es zwar nach wie vor kühl und still in den Tiefen der Pfalz, aber unberührt blieb die Pader nicht. Hinzu kommt natürlich auch eine gewisse Luftfeuchtigkeit in den Hallen, die sich durchaus in Form von Beschlag bemerkbar machen kann.

Quellkeller Kaiserpfalz LWL/S. Weirauch

Auch sonst sind die Gemäuer unserer Kaiserpfalz ein angenehmer Ausgleich zu den heißen Temperaturen des Sommers. Dank des frisch gedeckten Daches, der massiven Steinwände und kleinen Fenster sind wir auch gegen vermehrt auftretende Unwetter (oder einfallende Sachsen) gefeit. 

Fenster in der Aula der Kaiserpfalz LWL/S. Weirauch

Aber nun mal „Butter bei die Fische“, was wir heute als Klimawandel bezeichnen bezieht sich ja nicht auf die normalen Extremschwankungen, die sich in der Geschichte immer wieder hervortaten, sondern auf die unbestreitbare Beschleunigung und Häufung der Klimatischen Extrembedingungen – weltweit. Hier ist menschliches Zutun offenkundig.

Was kann ich von der Kaiserpfalz berichten, das thematisch dazu passt? Zunächst mal ganz praktische: Konservatorische Probleme. Eine Besonderheit unseres Museums sind die Bodendenkmäler an und umliegend der Kaiserpfalz – am offensichtlichsten die Mauerreste der karolingischen Pfalz direkt vor dem Museum. Bei solchen „Steinhaufen“ denkt man oft, das da nicht viel dazu getan werden muss, damit es so bleibt. Doch die Natur spielt eine enorme Rolle. So war ursprünglich Gras auf dem Gestein gepflanzt worden um den Einfluss von Regen zu mindern. Das Wurzelwerk jedoch beschädigte seinerseits das Mauerwerk und wurde inzwischen wieder entfernt. Auch extreme Hitze und Trockenheit fügen den alten Fugen und Putz Schäden zu.

In ausgedörrter Erde lässt es sich auch nicht immer gut graben, wissen unsere Stadtarchäologen zu berichten. Ebenso schlecht sind die darauffolgenden Sturzregen, die Grabungsflächen füllen können. In unserer neuen Abteilung der Dauerausstellung oder den wechselnden Foyerausstellungen zur Stadtarchäologie kann man die geborgenen Exponate gut bewundern. Da tauchen auch immer wieder schöne Eisenstücke oder Textilfunde auf, die stets gesonderte restauratorische Behandlung benötigen.

Klimavitrine der neuen Abteilung „Fenster in die Vergangenheit“ LWL/S.Weirauch

Unsere kommende Foyerausstellung „Lost Places“ (Eröffnung 18.07.2019) beschäftigt sich maximal indirekt auch mit den Einflüssen des Klimawandels.

So werden hier zwei verlassene überwiegend mittelalterliche Ortschaften des Paderborner Umlandes thematisiert, die aus verschiedenen Gründen wüst wurden. Der Einfluss von veränderten Wetterbedingungen, die Landwirtschaft oder Viehhaltung erschwert haben ist dabei interessanterweise allerdings unwahrscheinlich. (Solche Gründe werden, neben den rauen Witterungsbedingungen, ja für die Völkerwanderung im 4 Jh. n. Chr. angeführt.) Tatsächlich herrschten vor dem 3 Jh. n. Chr. wunderbar warme, angenehme Temperaturen in Mittel- und Südeuropa. Dann kühlten die Temperaturen merklich ab und blieben bis – und hier freuen wir Paderborner uns wieder – Karl dem Großen kälter als normal. Während, aber wohl vor allem nach der Zeit des fränkischen Königs stiegen die durchschnittlichen Jahrestemperaturen wieder und sorgten für eine Zunahme bei den landwirtschaftlichen Erträgen[1] und (das vermute ich) Hebung der Laune.

Zitat: „[…] Nach der Ära Karl des Großen (768 bis 814 n. Chr.) stiegen die Temperaturen in der Mittelalterlichen Warmzeit wieder um eineinhalb bis zwei Grad. Dadurch kletterten die Anbaugrenzen in den Gebirgen um etwa 200 Meter nach oben. Die unwirtlichen Gegenden im Norden Europas ergrünten ebenso wie die 5 südwestlichen Küstenregionen Grönlands, die nun von Wikingern besiedelt werden konnten. Die Landwirtschaft erlebte bis Mitte des 14. Jahrhunderts ihre größte flächenhafte Ausdehnung. Nur ein Fünftel Deutschlands war mit Wald bedeckt. Die steigende landwirtschaftliche Produktion ermöglichte die Versorgung einer wachsenden städtischen Bevölkerung und den Ausbau von Handel und Gewerbe. […]“[2]

Doch ich bin abgekommen. Was ist denn nun mit den Lost Places?


Poster Lost Places Bild/W.Noltenhans, J.Mühlenbein

Die beiden Siedlungen, die hier ergraben wurden, waren seit jeher beliebt. Heute soll an einer der Stellen ein Windpark entstehen. Ein weiterer Schritt im Kampf um regenerative Energien und Versorgung mit grüner Energie. Doch bevor weitere Windräder den Horizont bedecken können, untersuchten die Archäologen die Fläche und entdeckten Spuren bis in die Steinzeit. Wie gut sie doch zum Teil erhalten sind! Sehr selbst ab dem 18.07.2019.

Überblick Marsfelde Foto/R. Gündchen

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Der LWL im Überblick:

Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 17.000 Beschäftigten für die 8,3 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 21 Krankenhäuser, 18 Museen, zwei Besucherzentren und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 116 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.

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[1] Vgl. dazu https://www.welt.de/geschichte/article149773123/Erderwaermung-bescherte-Roemischem-Reich-fette-Jahre.html (Zugriff 15.05.2019)

[2] https://www.lfu.bayern.de/buerger/doc/uw_82_klima_vergangenheit.pdf

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