Zurück

Flaschentod

Kuratorinnen und ihre Lieblingsobjekte der aktuellen Sonderausstellung LEBEN AM TOTEN MEER

Zweifach gesicherter Schatz – Tina Michel mit ihrem Lieblingsobjekt.
| Foto: Annelie Blasko, smac

Christina Michel kuratierte die aktuelle Sonderausstellung LEBEN AM TOTEN MEER. Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Referat „Ausstellungen“ des smac. Und dies ist ihr Lieblingsobjekt.

Mein Lieblingsobjekt war schon vor der Ausstellungseröffnung ein heimlicher Medienstar: eine zunächst ziemlich unscheinbare braune Apothekerflasche, in die der berühmte Palästinaforscher Gustaf Dalman am 19. November 1921 am Toten Meer Salzwasser gefüllt hatte. Die bis heute ungeöffnete Flasche lagerte seitdem im Depot der Gustaf-Dalman-Sammlung der Universität Greifswald, bevor sie – gut verpackt und unter großem Presserummel – zu uns ins smac kam. Nun ist sie eines von knapp 30 Exponaten, die in unserer Sonderausstellung „Leben am Toten Meer“ die Forschungsgeschichte der Region veranschaulichen.

Die Dalmanflasche in der Ausstellung in Chemnitz.
| Foto Annelie Blasko, smac

Wasserproben vom Toten Meer sind sicher keine Seltenheit. Dass eine Probe aber nicht untersucht, sondern für die Nachwelt erhalten werden sollte, ist schon etwas Besonderes. In den fast 100 Jahren seit der Abfüllung hat die Flasche dennoch an Inhalt verloren: sie ist nur noch zu etwa einem Viertel gefüllt, am Boden der Flasche lagern Salzkristalle. Die Flasche steht damit auch stellvertretend für die aktuellen Umweltprobleme am Toten Meer: derzeit sinkt der Wasserspiegel um etwa einen Meter pro Jahr.

Am Boden der Flasche haben sich über die Zeit Salzbröckchen abgelagert. | Foto: © Karin Berkemann, Gustaf-Dalman-Sammlung, Universität Greifswald

Besonders gefreut habe ich mich über den regionalen Bezug der Flasche: bevor Gustaf Dalman 1902 als erster Direktor des Deutschen Evangelischen Instituts für Altertumswissenschaften nach Jerusalem berufen wurde, war er Professor für Altes Testament und Judaistik in Leipzig. Auf der Schutzmarke der Homöopathischen Central-Apotheke Leipzig, die auf der Flasche befestigt ist, hat Gustaf Dalman das Entnahmedatum vermerkt. Was sich ursprünglich in der Flasche befand, lässt sich leider nicht mehr nachvollziehen; dafür ist das Etikett zu sehr verblasst.

© Gustaf-Dalman-Sammlung, Universität Greifswald

Komplettiert wird die Wasserprobe von einem Bild, das Dalman am Tag der Abfüllung am Toten Meer zeigt.

Tina Michel
Zurück

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.