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Hausbau mit 8000 Jahre altem Brot?

Kuratorinnen und ihre Lieblingsobjekte der aktuellen Sonderausstellung LEBEN AM TOTEN MEER

Lehmziegel aus dem Präkeramischen Neolithikum (8300 – 5500 v.Chr.) | Leihgeber: Ashmolean Museum, University of Oxford

Sabine Lienen-Kraft kuratierte die aktuelle Sonderausstellung LEBEN AM
TOTEN MEER. Sie ist für den Bereich Bildung und Vermittlung im smac
zuständig und heute stellt sie ihr Lieblingsobjekt unter den Exponaten vor:

Luftgetrockneter Lehmziegel  oder Doppelback-Mischbrot?

Auf den ersten Blick lassen Größe und Form ganz kurz die Idee aufkommen, dass es sich bei meinem Lieblingsexponat um ein Bäckereiprodukt handelt. Weitere Gemeinsamkeiten: Beide wurden mit den Händen geformt oder in rechteckige Holzformen gepresst und für beide Produkte gibt es unterschiedliche „Rezepte“.

Lehm wurde mit weiteren Zutaten wie Sand, Stroh oder mit Tierkot (von Pflanzenfressern) vermischt. Dieses „Magern“ verringert nicht nur das Gewicht der Lehmziegel (siehe „Löcher“ an der Unterseite des Ziegel), damit wird auch die Zugfestigkeit, also die Belastbarkeit bis zur Verformung (Risse!) des Materials, erhöht.



“Brote” und Kuratorin Sabine Lienen-Kraft im direkten Größenvergleich 🙂 | Foto: Annelie Blasko, smac

Sind Lehmziegel zu einem Haus verbaut, so sorgt ihre beeindruckende Isolierleistung selbst bei großer Hitze tagsüber für angenehme Temperaturen im Hausinneren, nachts geben sie dort die gespeicherte Wärme wieder ab. Dieser globale Baustoff, der außer im Vorderen Orient in China und in Mittelamerika Verwendung fand, ist wiederverwertbar, was ihn unschlagbar nachhaltig macht.

Allerdings: Im starken Regen weicht er auf, verliert seine Form und zerfließt. Das ist der eigentliche Grund, weshalb luftgetrocknete Lehmziegel Archäologenherzen höher schlagen lassen, denn auf zerflossenen Lehmziegeln werden mit neu geformten Lehmziegel wieder und wieder neue Siedlungen gebaut. Ein Tell (Siedlungshügel) entsteht so, in dem es außer luftgetrockneten Lehmziegeln vielleicht auch Getreidekörner zu entdecken gibt, die ….oh nein, da ist es wieder: Das Doppelback-Mischbrot!

Sabine Lienen-Kraft
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