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Von kultigen Gewächsen

Kuratorinnen und ihre Lieblingsobjekte der aktuellen Sonderausstellung LEBEN AM TOTEN MEER.

Kuratorin und Direktorin des smac, Sabine Wolfram, neben ihren Lieblingsobjekten
in der Ausstellung | Foto: © smac, Annelie Blasko

Unscheinbare Früchte und Samen sind in der Archäologie mindestens so wichtig wie Goldfunde. Denn sie sind Überreste von Pflanzen, die die Menschen in der Vergangenheit gesammelt oder angebaut und verzehrt haben. Die in der Ausstellung gezeigten Dattelkerne, die Samen der Dattelpalme, stehen für die Bedeutung der Datteln als Nahrungsmittel in der Region um das Tote Meer. Besonders die Datteln von Jericho wurden schon in der Antike für ihre Qualität gepriesen.

Darüber hinaus spielt die Dattelpalme in Kult und Religion eine Rolle.

Im Judentum tauchen die Zweige der Dattelpalme im Kontext des „Laubhüttenfests“ (Bezeichnung erstmals im 3. Buch Mose) auf. Es ist ursprünglich ein Fest nach der Getreide- und Weinernte, wobei es sich bei den Laubhütten wohl um Unterstände auf den Feldern handelte. Nach dem babylonischen Exil bekommt das Fest eine neue Bedeutung: Es gedenkt dem Auszug der Israeliten aus Ägypten, die sich damit aus der Sklaverei retteten, und schreibt das Leben in den Laubhütten während der Feiertage vor (Lev. 23,33-43). Leviticus (23,40) spricht auch davon, dass die Hütten zum Fest mit Palmwedeln geschmückt sind. Das mehrtägige Fest wird seit Beginn an nach dem jüdischen Kalender vom 14.-21. Tischre gefeiert und fällt mal in den September und mal in den Oktober. Im Gottesdienst lassen sich Spuren des ursprünglicheren Erntedankfestes erkennen: Die Gläubigen tragen kleine Behälter aus Palmblättern, in denen Zweige der Palm (Tamar), der Myrte (Hadas) und Bachweide (Arawa) stecken. In der anderen Hand halten sie eine Zitronatzitrone (Etrog) .

Palmkerne | frührömisch | Leihgeber: Israel Antiquities Authority |
Foto: © smac, Annelie Blasko

Als Jesus auf einem Esel reitend nach Jerusalem einzieht, grüßte ihn das jubelnde Volk mit Palmzweigen und huldigte ihm als Messias „Hosianna! Gepriesen sei, der da kommt im Namen des Herren und der der König Israels ist!“ (Johannes 12, 13). Palmzweige und Esel sendeten dabei unterschiedliche und teilweise provokative Signale an die römischen Herrscher. Provokant, da der Palmzweig für Unabhängigkeit und den siegreichen König stand, während der Esel eine friedliche Herrschaft und Bescheidenheit symbolisiert.

Diesem Ereignis gedenkt das Christentum mit dem Palmsonntag. Es ist der letzte Sonntag der Fastenzeit und erste Tag der Karwoche mit Ostern. Palmweihe und Palmprozession sind seit dem 9. Jh. fester Bestandteil dieses Gedenkens. Die im Gottesdienst geweihten Palm- oder Ölzweige, Palmkätzchen (Weidenkätzchen) u.a. werden im Gottesdienst geweiht und während der Prozession getragen. Sie stehen dabei für den Sieg und das Leben.

Sabine Wolfram

Quellen:
M. Zohary, Die Pflanzen der Bibel. Stuttgart 1995 (3. Auflage)
Wikipedia: Laubhüttenfest und Palmsonntag

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